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Wie bekomme ich eine Review für meine Musik?

Obwohl ich mich seit mehreren Jahren intensiv mit Musik beschäftige, habe ich von den meisten Prozessen natürlich keine Ahnung. Wie veranstaltet man Konzerte? Wie viel kostet es ein Album zu produzieren? Wohin muss man sich wenden, wenn man ein gutes Musikvideo braucht? Fragt mich nicht. Aber eines weiß ich ganz genau: Wie ihr eure Chancen steigern könnt, um eine Review zu bekommen. Wenn ihr eine Promoagentur bezahlen könnt oder sich ein Label um euch kümmert – cool! Dann brauch ihr euch darum wenig Gedanken zu machen.

Denn dann zieht meistens deren über Jahre mühevoll aufgebautes Netzwerk. Erwähnungen auf bestimmten Blogs oder in den passenden Printmagazinen sind euch sicher. Was müsst ihr aber beachten, wenn ihr D.I.Y. unterwegs seid? Welche Angaben sind wichtig und was kann entscheidend sein, um bei der Flut an Veröffentlichungen eine Review zu bekommen?

Schickt nicht einfach ungefragt CDs – oder noch schlimmer Vinyl – an Rezensenten

Denn alle Rezensenten werden von ihrem Netzwerk regelmäßig beliefert, um nicht zu sagen zugeschissen ohne Ende mit neuer Musik. Selbst wenn eure Musik also total super ist, die Chance, dass sie auf Anhieb zum All-time-Favorit der Rezensentin wird, ist eher gering. Besonders ärgerlich ist es, wenn man nicht daheim ist, um die Post selbst anzunehmen und dann zur nächsten Postfiliale latschen muss. Dort holt man dann eine mittelmäßige Platte ab oder – noch schlimmer – eine, die sofort in den Müll wandert. Mööp. Also spart euch die Mühe und verkauft eure Musik lieber bei euren Konzerten an eure Fans.

Ein weiteres, absolutes No-Go sind selbst gebrannte CDs, auf denen man angeblich alle notwendigen Daten finden soll. Man kennt euch noch nicht. Selbst wenn man tatsächlich ein CD-Laufwerk hat, dann schiebt man mit Sicherheit keine wildfremden Datenträger rein, die krakelig beschriftet sind. Schreibt am besten eine freundliche E-Mail. Schont die Post, die Umwelt, spart allen wertvolle Zeit und packt alle notwendigen Angaben und Daten dazu. Sorgt für eine sichere Downloadmöglichkeit und bietet gerne zusätzlich an, bei Gefallen eine CD oder Vinyl zu schicken.

Was sind die notwendigen Angaben für eine Review?

Viele Reviews und Interviews sind erschreckend flach, weil die Bands im Vorfeld zu wenige Informationen übermitteln. Die müssen dann selbst recherchiert oder mühsam erfragt werden. Ihr wollt nicht immer gefragt werden, wer alles in der Band spielt? Die Frage nach dem Bandnamen findet ihr auch total langweilig? Dann packt das alles in die Mail, damit die Fakten klar sind und man sich auf eure Musik konzentrieren kann.

Ihr surft mit Sicherheit selbst regelmäßig auf Reviewseiten, lest Magazine und seht, welche Fakten dort über Platten standardmäßig veröffentlicht werden. Die unterscheiden sich nur bedingt, mit folgenden Angaben seid ihr auf der sicheren Seite:

  • Wer ist bei der Band dabei und wer macht was?
  • Seit wann gibt es euch?
  • Spieldauer der Veröffentlichung, denn niemand hat Bock das selbst ausrechnen zu müssen
  • Ordentliche Tracklist
  • Label, wenn ihr schon eines habt und falls nicht, schreibt dazu, dass es D.I.Y, also eine Eigenproduktion ist
  • Veröffentlichungsdatum. Schickt die Platte auch nicht schon 2 Monate, aber auch nicht 1 Woche vorher. 4 Wochen sind optimal.
  • Hängt eine gute Version des Artworks an. Schreibt am besten noch dazu, wer das Artwork gemacht hat, um euer eigenes, kreatives Umfeld zu supporten
  • Gleiches gilt für Bandfotos. Schreibt dazu, wer das Foto für euch gemacht hat. Schaut euch die Seiten an, auf denen ihr besprochen werden möchtet und checkt, ob sie Hoch- oder Querformat verwenden
  • Ihr legt Wert auf eure gut durchdachten Texte? Hängt sie an, damit man sich schon vorab mit euren Inhalten auseinandersetzen kann und die Review mehr Tiefe bekommt
  • Ihr habt schon ein Video? Schickt den Videolink mit, aber hängt nicht gleich das Video an Datei an
  • Schickt Links zu euren, hoffentlich aktuellen, Social Media Kanälen
  • Weist faktisch auf eure vorherigen Veröffentlichungen hin

Das Anschreiben: Was muss rein, was sollte vermieden werden?

Bis hierhin haben wir die grundsätzlichen Angaben, die in jedem Anschreiben kurz und knapp enthalten sein sollten. Ihr macht Musik, das bedeutet natürlich nicht zwingend, dass ihr gut mit Worten umgehen könnt. Sucht euch einfach eine Person, die das kann. Vermeidet Rechtschreibfehler. Oder wendet euch per hallo@krachfink.de an mich, wenn ihr Unterstützung braucht.

Vermeidet Phrasen wie “Wir halten der Gesellschaft den Spiegel vor”. Vergleicht euch nicht selbst mit bereits bekannten Bands, auch wenn das eure Vorbilder sind. Selbstbewusstsein ist wichtig, aber eine Anfängerband klingt selten beim ersten Anlauf wie MASTODON oder IRON MAIDEN. Ihr habt auch nicht mit THE GHOST INSIDE die Bühne geteilt, nur weil ihr das gleiche Festival morgens um 11 Uhr eröffnet habt.

Es schadet übrigens nicht, wenn ihr euch vorher selbst 5 Minuten Zeit nehmt. Checkt, wer hinter dem Mag steckt und ob euch der Schreibstil überhaupt gefällt.

Baut euch ein Netzwerk, seid selbst die Szene, sorgt für Vielfalt

Folgt den Medien, von denen ihr Aufmerksamkeit möchtet, auf deren Social Media Kanälen. Ihr erwartet, dass sich jemand mindestens 2 Stunden – meistens dauert es viel, viel länger… – damit beschäftigt, was ihr in eurem Proberaum ausgedacht habt?! Dann unterstützt auch deren Reichweite und greift nicht nur eine Review ab und zieht weiter.

Versteht euch als Teil der Szene. Vernetzt euch mit anderen D.I.Y.-Bands. Konzentriert euch nicht ausschließlich auf die Bands, die sowieso schon bekannt sind. Es gibt Millionen Bands wie ihr, die noch kein Schwein kennt, die aber auch schon tolle Musik machen.

10 D.I.Y.-Bands, die gute Musik machen:
ISOSCOPE
HUMANS AS ORNAMENTS
MODELL BIANKA
GOLDZILLA
KAAK
DAS BLÜHENDE LEBEN
DRALL
MEIN NEUES NICKI
DESOLAT
CRAZY B

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