Lest die Review zu "Ritalin und Benzin" von WIR SIND FLIEGEN bei krachfink.de

Wir sind Fliegen – Ritalin & Brause – Review

Das Elektro-Punk-Duo WIR SIND FLIEGEN melden sich mit ihrem Album „Ritalin & Brause“ zurück und überzeugt mit einem deutlich geschärften Profil. Frisch ins Potpourri aufgenommen wurden Metal und Hip Hop, und beides rückt die FLIEGEN näher an EGOTRONIC, DEICHKIND und SUCH A SURGE. Mit dem Sound deren Hochzeiten scheinen sich die beiden ebenfalls wohl zu fühlen. Artwork und Atmosphäre sind leicht nostalgisch an den frühen Zweitausendern orientiert, am besten klingen die Songs aber, wenn sich echter, zeitloser Frust reinschmuggelt.

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WIR SIND FLIEGEN, 2026

Wundertüte aus Beats, Wut und Stilbruch

„Ritalin & Brause“ von WIR SIND FLIEGEN startet mit einem etwas schwerfällig Rap auf etwas dünnen Crossover. Track für Track arbeiten sich die beiden aber, bewaffnet mit Vielfältigkeit und einem meinungsstarken roten Faden, immer weiter nach oben. Es benötigt mindestens einen Durchlauf, um zu verstehen, dass man auch mit fluffigen Elektrobeats statt heftigem Bassbomben und mit einprägsamen Gitarren statt geschmetterten Oktaven Spaß haben kann.

„Eat the rich (and tax them too)“, „White Monster“ und „161“ sind eindeutige Signale für die Haltung von WIR SIND FLIEGEN, aber eben auch zeitlose Statements. „Ritalin & Brause“ wirkt schon wie ein fein kuratierter Sampler, auf dem grundsätzlich alles möglich ist, solange die Haltung stimmt.

Musikalischer Wechselbalg

Wie bereits angedeutet, ist „Ritalin & Brause“ von WIR SIND FLIEGEN ein charmanter musikalischer Wechselbalg. Ausgehend von der Grundbasis hakt sich die düstere Attitüde des Rappers BASSTARD perfekt ein, drehen die Szene unerwartet in Richtung breitbeinigen Goth-Rock mit Meinung. Es geht um die Botschaft, die ihre Wirkung genau im bestmöglichen Setting entfalten soll. Dementsprechend pogt sich „Toxic“ klassisch mit wütend gezückter Bierdose durch den Club, und steht trotzdem nicht im Widerspruch zum darauf folgenden NDW-Zucker „ChatGPT feat. Alice“ mit Gitarrensolo. Dass der Gesang bewusst emotional überzogen wurde, um als bestmöglicher Konter zum kühlen Klugscheißer-Algorithmus zu parieren.

Macht irgendwie nervös

Die Zielgruppe von WIR SIND FLIEGEN ist klar positioniert: politisch bewusst, kompromisslos gegen Faschismus. Songs wie „Ich hasse alle Menschen“ verbinden Haltung mit einer erstaunlichen stilistischen Bandbreite. Ob die Mischung aus Vielseitigkeit und deutlicher Botschaft bei allen Hörerinnen und Hörern Begeisterung auslöst, bleibt offen, sie zeigt aber eindeutig die künstlerische Freiheit der Band.

Irgendwie macht einen „Ritalin & Brause“ aber auch nervös und man möchte die Genres gerne bündeln und voneinander trennen. Cola und Mentos entspannt aber auch nicht, von daher ist das vielleicht sogar grundangelegt.

Dauer: 28:50
Label: Spastic Fantastic Records
VÖ: 27.02.2026

Tracklist „Ritalin & Brause“ von WIR SIND FLIEGEN
Ritalin & Brause
Kerosin
Eat The Rich
Höllenflug (feat. Basstard)
Toxic
ChatGPT (feat. ALICE XLS)
161
Interlude
Der Mann Mit Dem Blauen Auge (feat. Jörkk Mechenbier)
Ich hasse alle Menschen
L‘eau Du Désespoir
White Monste
Cringe & Kunz

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