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Interview mit Fit For An Autopsy über “Oh What The Future Holds”

Die amerikanische Deathcore-Band FIT FOR AN AUTOPSY hat sich seit ihrem Debütalbum stetig weiterentwickelt. Auf ihrem mittlerweile sechsten Album vereinen sie alles, was sie sich bisher musikalisch und atmosphärisch erarbeitet haben. Gitarrist Patrick Sheridan gab bereitwillig Auskunft über die Gedanken, die sich die Band zum Album gemacht hat und seinen Blick auf die Welt.

Wie möchtest du eure Musik verstanden wissen, ist es eine Art Weckruf?

Nein, nicht wirklich. Es geht eher darum, darauf hinzuweisen, was wichtig ist und das, was wir sehen in der Spiegelansicht zurückzuwerfen. Zu zeigen, wie schlecht wir Menschen sind, ohne mich selbst da auszunehmen, ich habe mit Sicherheit auch einige Probleme. Vielleicht kann man es ganz gut als unsere Vogelperspektive beschreiben, davon wie wir die Welt sehen.

Mit einem Song kann man niemanden verändern, aber wir halten uns an der Hoffnung fest, dass da draußen Leute sind, die es verstehen und sich besser fühlen, wenn sie wissen, dass es da draußen noch andere Menschen gibt, die sich so ähnlich fühlen, wie sie selbst.

Abgesehen davon geht es auch viel darum, die Realität zu akzeptieren und trotzdem weiterzumachen. Das ist der Status Quo. Das ist nicht lustig, aber hier stehen wir im Moment.

Genau das mag ich an eurer Band.

Diese Verbindung zwischen den Zuhörenden und der Band herzustellen, das ist aus meiner Sicht häufig wichtiger, als irgendeine große Motivation, die hinter der Musik steht. Ich bin in einem echt verrückten Haushalt groß geworden und hatte wirklich keine leichte Kindheit. Die Möglichkeit mich damals mit Hardcorebands verbunden zu fühlen, war großartig. Gerade in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern haben diese Bands schon über ihre Gefühle und die Probleme in unserer Gesellschaft gesungen, weit bevor das im Metal stattfand.

FIT FOR AN AUTOPSY, 2022 Foto von Nuclear Blast

Das Album heißt “Oh What The Future Holds”, ist es schlimmer geworden, als du dir es vorgestellt hast oder eigentlich genauso wie du gedacht hast?

Die letzten eineinhalb Jahre haben echt nochmal einen draufgelegt. Die Pandemie, alles, was damit zusammenhängt und wie die Menschen miteinander umgehen und die Bereitschaft sich auf Kosten von anderer Personen nach vorne zu mogeln… die Welt hat uns echt gezeigt, wie böse sie sein kann. Natürlich sind auch gute Dinge passiert, Menschen haben sich verbündet und gegenseitig unterstützt. Lass mich mal so sagen, wir sind auf einem guten Weg dahin zu kommen, worüber wir immer singen (lacht). Einige gesellschaftliche Risse in Amerika haben aufgedeckt, wie schlimm es an manchen Stellen um unser Land steht und das an die Oberfläche gebracht. Es ist wirklich schwer, diese Wahrheiten jetzt noch weiterhin zu verstecken oder zu leugnen.

Es gibt echt viel, über das wir schreiben können und es fällt uns oft auf, dass Dinge passieren, über die wir so oder so ähnlich gesungen haben. Die Menschen kämpfen um Dinge, um die man schon aus rein ethischen Gründen nicht kämpfen sollte. Durch die schreckliche Pandemie können wir nur alle gemeinsam gehen, all unsere Leben haben sich für immer verändert. Aber es gibt Leute, denen weiterhin die einfachsten Gesten für andere schwerfallen. Das ist schon traurig und “Oh What The Future Holds” fragt sich, wohin uns das führen wird. Wie schlimm wird das noch werden, was kommt als Nächstes?

Wir verarbeiten in unserer Musik, was wir in unserer Umgebung sehen und erfassen können. Wir erfinden keine Geschichten, wir machen keine Filme. Und das furchterregendste, was wir sehen, ist die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen. Der Albumtitel reflektiert also auch dieses Gefühl von: Schau, wo wir hingekommen sind, schau dir diese Sauerei an, wow! Jedes Jahr erscheint es ein bisschen trostloser. Das ist echt krass, wenn man so in einem Interview darüber spricht und zurückschaut, dann fällt einem nochmal auf, wie extrem das alles ist. So eine Scheiße.

Wann habt ihr das Album geschrieben, war es stark von der Pandemie beeinflusst?

Zweieinhalb Monate nachdem wir “The Sea Of The Tragic Beasts” veröffentlicht haben, konnten wir nicht mehr touren und eigentlich erstmal gar nichts machen. Da standen wir also mit einem Album, das ich wirklich sehr gerne mag. Der Song “Napalm Dreams” ist aus meiner Sicht einer der besten Songs, den wir je geschrieben haben. Obwohl ich ihn am Anfang echt gehasst habe, das hat sich erst so entwickelt. Na ja, da saßen wir also, wie gelähmt. Aber die Pandemie hat dann relativ schnell immer mehr Probleme und Themen angehäuft, über die wir schreiben wollten.

Wie ja jeder weiß ist Will (Putney) unser Songschreiber. Er war der Meinung, dass wir all das jetzt in Songs verpacken müssen. Denn falls und wenn die Pandemie sich irgendwann einspielt und es möglich ist, wieder zu touren, dann haben wir neue Musik am Start. Die Pandemie hatte also einen enormen Einfluss und vor allem all das, was sie noch angestoßen und aufgedeckt hat. Die gesellschaftlichen Probleme und die Proteste, das war Öl für unser Feuer. Was in den letzten eineinhalb Jahren hier in Amerika abgegangen ist, das war so unfassbar viel. Zu viel, um nicht etwas Kreatives daraus schöpfen zu können, für eine Band wie uns.

Und ihr fasst das alles zusammen, das ist also der geballte Frust und kann für manche echt zu viel sein. Was motiviert euch dazu, als Band immer weiterzumachen?

Es gibt echt viele motivierende Dinge für uns. Wir möchten als Band wachsen, neue Sounds entwickeln und egal was anderes sagen; von Album zu Album gab es eine sehr deutlich hörbar Weiterentwicklung. Das Debüt war noch sehr hart und stark von Death Metal beeinflusst, dann kam “Hellbound” und war echt schräg und wir haben da einige ungewöhnliche Sachen ausprobiert. Auch wenn es eigentlich vordergründig kein melodisches Album ist, dann kam uns da der Gedanke, dass wir durchaus einige Harmonien aufnehmen könnten. Mit “Absolute Hope Absolute Hell” haben wir dann zum ersten Mal eindeutig melodische Parts eingebaut, aber auch die Härte noch höher geschraubt, bei “The Great Collapse” dann noch mehr. Und “Sea Of The Tragic Beasts” hat alles auf die Spitze getrieben, sodass wir bei “Oh What The Future Holds” dazu übergegangen sind, alles, was wir bisher erarbeitet haben, miteinander zu kombinieren.

Man kann in Songs wie “In Shadows” eindeutige Einflüsse von “Hellbound” hören und auch andere Songs mit vorherigen verbinden. Das ist mir persönlich sehr wichtig und letztendlich ist es auch so, dass man ohne neue Musik eben auch die Aufmerksamkeit der Leute verliert.

Heutzutage konzentriert man sich nicht mehr so lange auf etwas, es gibt tausend Ablenkungen und wenn eine Band dann immer das Gleiche macht, dann wird das schnell langweilig. Letztendlich wollen wir raus auf Tour und spielen, das macht natürlich mit neuen Songs mehr Spaß. Und wir möchten denjenigen, die uns unterstützen, auch zeigen, dass wir da sind, dass da eine Band ist, die immer weiter macht und Neues erschafft. Wir sind echt schon weit gekommen und sehr dankbar dafür. Und es ist auch einfacher für uns, wenn wir in einem ständigen, kreativen Prozess bleiben.

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