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Kristen Perrin – Das Mörderarchiv: Tante Frances dachte immer, dass sie eines Tages umgebracht wird. Sie hatte recht – Review

Der Roman “Mörderarchiv: Tante Frances dachte immer, dass sie eines Tages umgebracht wird. Sie hatte recht.” von Kirsten Perrin wird als das Krimi-Ereignis des Jahres angepriesen. Der Kern der Geschichte wird im Titel schon heftig angedeutet, macht neugierig und auch das Artwork ist ansprechend. Frances Adams ist noch nicht mal volljährig, als ihr von einer Wahrsagerin auf einem Jahrmarkt vorausgesagt wird, dass sie ermordet werden wird. Von da an hält sie einen kryptischen Vers für die ultimative Warnung, richtet ihr komplettes Leben daran aus, dass sie ihrem Mörder auf die Spur kommt, wenn sie nur die Zeilen richtig deutet.

Dem eigenen Mord zuvorkommen?

Sie beäugt alle in ihrem Umfeld ganz genau, spricht Vermutungen aus, legt Akten an und stellt an einer Wand Verbindungen her, wie der beste Profiler auf der Spur eines Serienkillers. Das kommt ihren möglichen Erben zugute, als es sie tatsächlich in hohem Alter auf ominöse Weise dahinrafft. Für ihr direktes Umfeld war es bis dahin eher anstrengend und brachte ihr zu Lebzeiten den Ruf einer anstrengenden Person ein. Statt eines klaren Testaments, bindet sie den Verbleib ihres Vermögens an das Lösen ihres Mordfalls und benennt ihr Großnichte Annie, die Polizei und ihren Stief-Neffen Saxon als konkurrierende Ermittler.

Schnitzeljagd mit Zeitsprung

“Mörderarchiv: Tante Frances dachte immer, dass sie eines Tages umgebracht wird. Sie hatte recht.” von Kirsten Perrin konfrontiert uns früh mit vielen unterschiedlichen Personen, deren Geschichten und Wichtigkeit wir erst nach und nach erfahren. Abgesehen von dem umfangreichen Mörderarchiv, das Frances auf ihrem Anwesen Castle Knoll angelegt hat und in dem die möglichen Erben stöbern und uns damit als Leserinnen und Leser auf dem Laufenden halten, erfahren wir anhand ihrer detaillierten Tagebücher, was damals Mitte der Sechzigerjahre passiert ist. Die Tagebücher gelangen schnell in die Hände von Annie, die vermeintlich zufällig zum Ermittlerteam stößt und eher unverhofft als Erbin infrage kommt. Als angehende Krimi-Autorin fühlt sie sich aber besonders herausgefordert und nimmt die Recherchen von Frances ernst.

Viele falsche Fährten

Selbst wenn besagte Tante Francis der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, dann lässt uns “Das Mörderarchiv: Tante Frances dachte immer, dass sie eines Tages umgebracht wird. Sie hatte recht.” doch über deren tatsächlichen Charakter im Dunkeln. So richtig kann man nicht einschätzen, ob sie nun selbst Opfer oder auch mal Täterin war. Die Autorin Kirsten Perrin führt uns häufig auf die falsche Fährte, gibt uns nichtige Hinweise an die Hand und lässt die Protagonisten häufig unlogisch handeln. Natürlich werden von dem wahrscheinlich mit der Lösung gespickten Tagebuch immer nur ein paar Seiten gelesen, im normalen Leben würde die Großnichte Annie aber die Aufschriebe sofort verschlingen. Obwohl viele fadenscheinige Personen in den Fall verwickelt sind, werden freimütig Informationen ausgetauscht und es wird wenig in Frage gestellt, die Emotionen sind generell fraglich.

Nicht herausragend

Das im Vorfeld angepriesene “Wohlfühlen, Schmunzeln und Miträtseln” zum “sensationelle Krimi-Ereignis des Jahres” hält sich in Grenzen. Nach einem starken Einstieg zieht sich die Geschichte etwas, Perrin arbeitet mit Cliffhanger, die uns dann zum Weiterlesen zwingen, aber nicht immer etwas zum Fortgang beitragen. Der Wunsch bei “Mörderarchiv: Tante Frances dachte immer, dass sie eines Tages umgebracht wird. Sie hatte recht.” den Fall zu lösen, ist auch nicht größer, als bei anderen Krimis und der Schreibstil nicht auffallend spaßig, aber trotzdem angemessen kurzweilig. Für einen Besuch in der Badewanne oder ein paar entspannende Stunden auf der Couch, ist der Krimi durchaus fesselnd genug. Manchmal will man eben auch plätschernde Spannung und keine nervenaufreibende.

Seiten: 400
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN-10: 3499012650
ISBN-13: 978-3499012655
VÖ: 24.01.2024

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