Foto von der Band DITZ für eine News auf krachfink.de

Interview mit Cal und Jack von DITZ zu “The Great Regression”

Mit ihrem Debütalbum “The Great Regression” legt die britische Band DITZ über das Label Alcopop Records! eine spannende Mischung aus Noise und Post-Punk vor. Die Texte sind einerseits reflektiert und tiefgründig. Anderseits spielen DITZ mit der Ernüchterung ihrer Generation und kontern jeglichen Missstand mit einem zynisch-frechen fuck you, we don’t care, let’s dance to the abyss! Sänger Cal und Gitarrist Jack (und auch ehemaliger Drummer von DITZ) begrüßen mich via Zoom in ihrem Auto, in wenigen Minuten beginnt ihr Konzert.

Die beiden sympathischen Musiker nehmen sich trotzdem ausreichend Zeit, um mit mir über die Albumentstehung, ihre Bandchemie und die Entstehung der Band, Philosophie und die Gesellschaft zu sprechen. Es stellt sich heraus, dass beide enge Verbindungen nach Deutschland haben, was dafür zuträglich sein könnte, dass wir eine der aktuell spannendsten Bands aus England bald auch bei uns live sehen könnten.

Seid ihr daheim in Brighton?

Cal: Nein, wir sind in Bristol, werden gleich einen Gig im The Louisiana spielen.

Bristol, da kommen IDLES her, oder?

Jack: Ja genau, aber da kommen auch noch viele andere gute Bands her, wie beispielsweise LIFE oder HEAVY LUNGS…

Kennt ihr KOSHEEN? Die haben Anfang der Nullerjahre gute Tanzmusik gemacht und kamen auch aus Bristol?

Jack: Nein, sagt mir jetzt leider nichts, aber nichts gegen Tanzmusik von meiner Seite aus (lacht).

Aber wir wollen ja auch über euch reden, eure Band gibt es seit 2016. Woher kennt ihr euch?

Cal: Genau, und um ganz genau zu sein, gibt es uns seit dem 06.06.2016 (lacht). Wir kennen uns von der Universität, den Bassisten Caleb kenne ich sogar schon seit dem College. Wir sind uns in Brighton alle immer mal wieder über den Weg gelaufen. Das bleibt nicht aus, da wir ähnliche Interessen haben.

Ich weiß, dass ihr die Liebe zu Bands wie METZ, GIRL BAND oder AT THE DRIVE-IN teilt.

Cal: Wir hören eigentlich alle sehr viel unterschiedliche Musik, aber der Noise-Rock-Sound verbindet uns schon. Aber auch JOHNNY CASH hat mich sehr beeinflusst, mit dieser von Rick Rubin gemachten, sehr puren Art der Gesangsaufnahmen.

Jack: … und für mich war auch NINA HAGEN echt wichtig.

Cal: Wie heißt die andere Band aus Deutschland, die du so gut findest?

Jack: KARIES, aus Stuttgart. Die finde ich super!

DITZ, 2022, Foto von Andreia Lemos

Dann kennt ihr sicher auch DIE NERVEN?

Jack: Ja, habe ich schon mal gehört.

Cal: Ja klar, haben wir schon gehört.

Interessant, dass wir jetzt auf diese Bands kommen, denn gerade die Düsternis von KARIES kann man bei euch auch hören. Euer Album “The Great Regression” ist auch ein sehr düsteres Album. Ihr wirkt auf mich aber eher fröhlich, wobei das auch täuschen kann. Ist das Album also eine Reflexion auf eure Umwelt und weniger euer eigener Gemütszustand?

Cal: Ja, genauso würde ich das sagen. Sehr vieles davon ist, wie wir die Umwelt wahrnehmen. Aber vieles davon basiert tatsächlich auf Humor. Der Albumtitel bezieht sich auf uns als Band, wenn wir zusammen sind und anfangen alberne Witze zu machen. Also Rückschritt im Sinne von, sich wieder auf das geistige Niveau eines Kindes zu begeben (lacht): Wenn man eine Woche in dieser Band ist, dann kann man gut verstehen, was ich damit meine. Das ist eine bestimmte Stimmung, die sich schnell auffangen lässt.

Die Stimmung lässt sich auch gut erfassen, wenn man den ersten Song von eurer EP hört, das ist “I Am Chris Martin” und vieles an diesem Song erklärt einiges über DITZ und über euren Humor.

Cal: (lacht) Stimmt, auf jeden Fall.

Aber was denkt ihr im Hinblick auf die Gesellschaft über Rückschritte, wäre es manchmal nicht besser einen Schritt zurückzutreten, um dann leichter nach vorne zu kommen?

Cal: Das ist eine interessante Sichtweise auf den Albumtitel. Im Sinne von, dass Dinge manchmal zusammenbrechen müssen, um wieder neu aufgebaut zu werden? Ja, sicherlich. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich das unbedingt erleben will. Ich würde mir wünschen, dass es schon passiert wäre, bevor ich geboren wurde.

Was bedeutet denn DITZ?

Cal: Das ist eine Abkürzung für den Zustand, von jemandem, der etwas vergesslich, durcheinander oder auch schusselig ist…

Jack: Oder auch einfach ein bisschen doof (lacht).

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