Oiro Mahnstufe X

Oiro – Mahnstufe X – Review

Seit es OIRO gibt, wissen wir endlich, als was Gott an Karneval geht, oder doch nicht? Zumindest stehen die Düsseldorfer Punker nun mit “Mahnstufe X” und einem neuen Album vor der Tür. Dreckiges Geschrammel, ein charmanter Hauch Achtzigerjahre und ein Abgesang auf den MPU, den umgangssprachlichen Idiotentest. OIRO zeigen uns zur Begrüßung erstmal den nackten Arsch. Was die Band aber wirklich ausmacht, sind die fiesen Wahrheiten zwischen den Zeilen und die niederdrückende Traurigkeit, die bei ihnen immer unterschwellig mitschwingt. Doch erstmal hauen uns OIRO in “Fahr zur Hölle MPU” und “Prepaid Pleite” die wahnwitzige Wiederholung von einzelnen Sätzen um die Ohren. Erst ab “Schluckauf” werden wirklich nachvollziehbare Geschichten erzählt und ab hier wird die Band auch immer redseliger.

OIRO 2020

Kein Haus ist groß genug, für euer Scheißgefühl

Wie eingängig darf die schlechte Laune eigentlich sein? OIRO definieren die Antwort immer wieder neu, nötigen die HörerInnen zu absurden Ohrwürmern wie “die Menschen, die ich mag, gehen nicht in den Park” oder “keine Gewalt am Mittwoch”. Herausragend ist sicherlich “talking ’bout my generation”, wir sitzen quasi mit OIRO vor dem sinnbildlichen TV-Gerät und zappen durch die stark polarisierenden Zustände der Welt. Ereignisse, die sich niemals offensichtlich kreuzen, aber nachdrücklich in engem Zusammenhang stehen. Die post-punkige Fläche im Hintergrund bietet den optimalen Nährboden für die Gedankenflüsse, die sich aus den vor die Füße geworfenen Beobachtungsfetzen ankurbeln.

Der Vergleich mit Bands wie WIPERS ist auch dieses Mal nicht von der Hand zu weisen, das grandiose “Flut” versinkt in Traurigkeit. CHRISTIAN DEATH oder DAS ICH hätten sich auch über diesen dunkelschwarzen Vibe mit absackenden Synthies gefreut. Bands wie KONTROLLE denken diese Idee auf ihrem Album “Egal” konsequent zu Ende. OIRO sind eine dieser besonderen Bands, die wirklich etwas zu sagen haben und dafür – trotz aller Querverweise – eine beeindruckende, eigene Ausdrucksweise gefunden haben. Den Großteil der Texte könnte man sich hier und jetzt guten Gewissens mit dem spitzen Stift für die Ewigkeit in die Haut ritzen, weil man sicher sein kann, dass dieses Gefühl niemals vergehen wird.

Welche Probleme? Na, wo denn?

Im letzten Drittel von “Mahnstufe X” wandeln sich OIRO schon beinahe zu Indie-Rock. “Wege ohne Schablone” wird von flirrenden Gitarren bestimmt und wendet sich inhaltlich an den Wunsch nicht ausbrechen zu müssen. Wie schön wäre es, wenn man von Anfang an unbefangen, mit seinen Gedanken und Taten wirklich frei bleiben könnte? Mit gezupfter Akustikgitarre und einer disharmonischen Melodie als Kontrast, geleiten und OIRO mit “Die meisten Unfälle passieren im Krieg” aus ihrem Album “Mahnstufe X”. Gute Laune verbreiten ist für die meisten wohl was anderes, aber darum geht es hier ja nicht, im Gegenteil. Wahre Worte tun eben weh, isso.

Dauer: 30:02
Label: FLIGHT 13
VÖ: 07.02.2020

Tracklist “Mahnstufe X” von OIRO
Fahr zur Hölle
Prepaid Pleite
Schluckauf
Gewalt am Mittwoch
Kaktushaut
Die Kids vom Hellweg
Flut
talking ’bout my generation
Wege ohne Schablone
Reiche Eltern und Du
Die meisten Unfälle passieren im Krieg

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OIRO bei Bandcamp

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