Aviana Epicenter Artwork

Aviana – Epicenter – Review

Die Schweden von AVIANA wenden sich auf ihrem zweiten Album “Epicenter” etwas vom Djent auf ihrem Debüt ab und strecken sich in Richtung Metalcore. Das funktioniert. Neu-Sänger Joel Holmqvist macht seine Sache gut, die Produktion von Jeff Dunne ist auch gelungen und trotz der langen Spieldauer von 46 Minuten, ist das Werk der Göteborger sehr eingängig und weist kaum Längen auf. Dem Albumtitel, also dem Punkt, bei dem es beim Erdbeben am meisten abgeht, werden sie allerdings nicht ganz gerecht.

Auf den Punkt aber ohne Spitzen

Nun weist “Epicenter” weiterhin deutliche Spuren von Djent auf und gerade diese hakeligen Momente mit den polyrhythmischen Technikattacken sind die, in denen AVIANA vollends überzeugen (“Red Sky”, “Frail”…). Der Rest klingt nach durchschnittlichem Metalcore, gut bemacht, aber man fällt nicht vor Begeisterung hinten über. Was wiederum an “Epicenter” sehr beeindruckend ist, ist der wirklich extrem harsche Gesang, der sich wie eine weitere Fläche klaustrophobisch über den Sound legt. Wenn die Gitarrenfraktion dann noch Riffs beisteuert, die schön lärmend brummen, dann klingen die Schweden plötzlich ultradunkel und hart. Der Klargesang ist zwar gut vorgetragen und zur Auflockerung ok, zerstört aber so manchen Moment und bremst einige Eskalationsmöglichkeiten aus.

Auch die kurzen Szenen, in denen AVIANA eher gen Hardcore tendieren, mit Gangshouts arbeiten und an den Riffs zerren, sind bemerkenswert. “Look Away” erinnert streckenweise schon stark an die harten Momente von THE GHOST INSIDE. Da Sänger Joel wohl die komplette Bandbreite abdeckt, muss die Frage erlaubt sein, wie die Band das live umsetzen möchte (“Heavy Feather”).

Aviana-Bandfoto 2019
Aviana-Bandfoto 2019

AVIANA sind noch in der Findungsphase

Irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass AVIANA auch bei diesem Sound nicht stehen bleiben werden und sich wahrscheinlich noch nicht ganz gefunden haben. Vor lauter Herumprobieren und zwischen den Genres herumhüpfen, haben sie verpasst dem Album inhaltliche Tiefe und eine deutliche, eigene Handschrift zu verpassen. So klingt “Epicenter” gut, aber noch austauschbar. Resultierend aus den Djent-Wurzeln, sind AVIANA natürlich unverschämt auf den Punkt. Groove und Rhythmus haben die verinnerlicht, da machste nix. Auch bei Thema Dynamik machen dem Fünfer niemand so schnell etwas vor (“Frail”). Und Drummer Niclas Bergström scheint noch mehr drauf zu haben. Denn wenn er in “Erased” die Sticks fliegen lässt und wie ein Gestörter über die Fußmaschine rattert, merkt man… da geht noch mehr. Dieser Song wird sicher auch live funktionieren, ebenso wie einige andere. Aber die eine Hymne oder der eine große Moment, sowas fehlt “Epicenter” von AVIANA noch. Für ein zweites Album ist das aber deutlich mehr, als man erwarten darf. Wir sprechen uns in zwei, drei Alben nochmal.

Dauer: 46:09
VÖ: 23.08.2019
Label: Arising Empire

Tracklist “Epicenter” von AVIANA
My Worst Enemy
Red Sky
Altitude Sickness
Erased
Heavy Feather
Look Away
Celosia
Frail
Melancholia
Hidden
Ikigai
More Than A Name

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