Anja Ruetzel - Take That Coverartwork

Anja Rützel – Take That – Review

Die Journalistin und Autorin Anja Rützel schreibt, im Rahmen der vom Kiwi-Verlag neu ins Leben gerufenen Musikbibliothek, über die mittlerweile gealterte Boyband TAKE THAT. Das tut sie absolut im ursprünglichen Sinne, nämlich fanatisch. Sie kennt den Namen des ehemaligen Haustiers von Mark Owen und noch andere wirklich interessante – aber für den Fortbestand der Menschheit absolut unbedeutende – Details über TAKE THAT. Wäre es möglich mit Take-That-Quizes Geld zu verdienen, ich würde raten: Anja, go for it.

Kurzweilig und frei von der Leber weg

Dass ich das Buch von Rützel über TAKE THAT gelesen habe, wäre untertrieben, denn ich habe es quasi verschlungen und mich von einem Flashback zum anderen gelacht. In ihrer charmanten Art und Weise, dem dreckigen und flachsten Trash zu huldigen und ihn gleichzeitig in seinen peinlichen Details zu zerlegen und nackig zu machen, hat Anja Rützel wohl einen der schönsten Fanbriefe geschrieben, den TAKE THAT wohl jemals (nicht) bekommen werden. Natürlich spart sie ihre eigenen Peinlichkeiten zum Thema nicht aus. Die Gleichung Fan plus Boygroup kommt zwangsläufig nicht ohne aus. Dass Rützel die Band erst relativ spät für sich entdeckt hat, macht es nicht besser.

Die magische Unterhose

Wenn Leute sich intensiv mit Musik auseinandersetzen, sind das sicherlich per se gute Menschen. Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass böse Menschen keine Lieder hätten. Ob es dabei um Rock, Metal, Punk, Jazz, Hip-Hop, Schlager oder Pop geht, ist mir vollkommen wumpe. Und Anja Rützel huldigt in ihrem Buch über TAKE THAT wirklich jedem Detail, verdammt muss die gut sein.

Ganz gleich wie unangenehm es auf den ersten Blick wirken mag, Rützel weiß, was zu tun ist. Man muss als Die-hard-Fan nämlich manchmal komplett hysterisch reagieren und vom größten Irrsinn überzeugt sein. Stichwort: Ich schwöre, er hat gerade MICH angeschaut! Anja gibt alles, und führt uns irrational, aber trotzdem auch sachlich, zu der Erkenntnis, dass eine Unterhose mit dem Aufdruck “Could it be magic?” einen hohen emotionalen Wert haben kann und vielleicht sogar haben muss. Außerdem gibt es ihre fünf Gary-Momente, ihre fünf liebsten Songs von TAKE THAT und sie klärt uns darüber auf, was an der Liebe nervt.

Jeder Takethatler im Detail

Anja Rützel seziert jeden Takethatler einzeln und ausgiebig. Sie macht aber auch mit jedem ihren Frieden und findet für jeden zumindest eine akzeptable Daseinsberechtigung. Ihren Liebling Jason Orange hebt sie sich bis ganz zum Schluss auf. Ebenso wie ihr jüngstes unangenehmes Zusammentreffen mit einem Teil von TAKE THAT. Never meet your heroes oder doch? Dabei sind TAKE THAT gar nicht Rützels Heroen im eigentlichen Sinne. Es sind viel subtilere Dinge, die sie an die Band binden. Zum Beispiel die Gemeinsamkeit, die sie durch die Band mit ihrer Schwester hat oder die Faszination am Scheitern der Bandmitglieder und deren hundsgemeinen Umgang damit. Und gescheitert und wieder aufgestanden wird im Hause TAKE THAT wirklich oft, man zählt schließlich auch ROBBIE WILLIAMS zu der Truppe.

Ganz neben zeichnet Rützel dabei nicht nur ihre eigene Geschichte mit TAKE THAT nach, sondern auch eine feine Popkritik über das Boygroupzeitalter der Neunzigerjahre. Das tut sie wie gewohnt äußerst pointenreich und locker, sodass es ein Riesenspaß ist an ihrem Fantum teilzunehmen. Ganz nebenbei kann man sich, wenn man wie ich dem Kreis der betroffenen und nachhaltig geschädigten Personen angehört, selbst an seine Teeniezeit mit viel Neon und BRAVO erinnert.

Außerdem in der Kiwi-Musikbibliothek erschienen:
Sophie Passmann über FRANK OCEAN
Thees Uhlmann über DIE TOTEN HOSEN
Tino Hanekamp über NICK CAVE

Seiten: 160
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN-10: 3462053248
ISBN-13: 978-3462053241
VÖ: 10.10. 2019

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Musikerbiografien interessieren Dich? Dann könnte “Let’s Go (So We Can Get Back) von Jeff Tweedy, dem Fronter von WILCO, interessant sein, die Review dazu findest Du hier.

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