Lest die Review zur EP "Oh Büe" von ZILLER bei krachfink.de

Ziller – Oh Büe (EP) – Review

Mit seiner EP „Oh Büe“ geht ZILLER erfolgreich der Frage nach, ob Mundart auch abseits von Deutschtümelei funktionieren kann. Der Sänger, Texter und Gitarrist der Nürnberger Punkband AKNE KID JOE wuchs in einem pittoresken Dorf in den Alpen auf. Dass es sich um einen ersten Versuch handelt, merkt man den vier Songs, die alle schnell zum Punkt schlittern und von Matthias Schmids angenehm eingängigem Krakeelen geprägt sind, gar nicht an. Erfreulicherweise bringen uns die nur teilweise autobiografischen Texte über das Anderssein, uncooles Slackertum, einen typischen Tag im Freibad und den Verlust einer geliebten Person so nah an ZILLER heran wie nie.

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ZILLER 2026, Foto von Kay Özdemir

Charmante Lo-Fi Produktion, angereichert mit Allerlei

Die Eröffnungshymne ist brandgefährlich: „Oh Büe“ fackelt nicht lange und kommt schnell auf den Punkt. Insgesamt setzt ZILLER jedoch auf entschleunigten Indierock, den eine charmante Lo-Fi-Produktion sowie Bläser, Horn und Akkordeon immer wieder veredeln. Ohrwürmer etablieren – das kann ZILLER, der wieder frech das Minimalprinzip anwendet. Zumindest gewinnt man diesen schnellen Eindruck, da Schmid auch nicht zur kompositorischen Überfrachtung neigt. Aber der instrumentale Unterbau verleiht der EP „Oh Büe“ durchaus angemessene Substanz.

Wer überhaupt keine Berührungspunkte mit Dialekten hat und somit wahrscheinlich herzlich wenig versteht, kann sich auf jeden Fall auch ganz an der Musik erfreuen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ZILLER deutlich weniger das R rollt als bei seiner Stammtruppe AKJ und ohne den punkigen Überbau auch sein Gesang deutlich besser zur Geltung kommt.

Schön ausstaffiert und nicht zu aufgeblasen

„Oh Büe“ von ZILLER evoziert jetzt nicht unbedingt die typische Alpenromantik, ist aber eine schöne Alternative für diejenigen, die diesen Dialekt sprechen und vielleicht keinen Spaß an Schlachtfesten und Traktortreffen haben. Die Texte sind herzig und authentisch; eine Mundart-EP macht man kaum wegen der Aussicht auf Erfolg, sondern getrieben von Kreativität und Leidenschaft. Es ist vollkommen offen, ob das auch auf Albumlänge funktioniert und ob ZILLER nun die Kleinkunstbühnen entern wird. Für den Moment ist das aber eine schöne Mischung aus Humor und Tiefgang, liebevoll ausstaffiert und nicht zu aufgeblasen.

Dauer: 09:55
Label: Hersbrooklyn Recordings
VÖ: 05.06.2026

Tracklist „Oh Büe“ von ZILLER
Oh Büe
Griabiga Dag
Schad eigendle
Du fälschd mir

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