cover half alive - now not yet

half•alive – Now, Not Yet – Review

Auf insgesamt 50 Songs konnten die drei Amerikaner von HALF•ALIVE für ihr erstes Album “Now, Not Yet” zurückgreifen. Getreu des Albumtitels landeten sie mit dem Ergebnis bei mir aber dummerweise erstmal auf dem Stapel der Alben, die später mal irgendwann dran sein sollen. Dummer Fehler, denn das Debüt der talentierten Band ist eine wahre Wundertüte, die den selbst gewählten Rahmen Pop sprengt.
Sänger Josh Taylor und Schlagzeuger Brett Kramer haben beide Musik studiert, was man den Kompositionen aber erst auf den zweiten Blick auf anmerkt.

Pop mit doppeltem Boden

Bei der ersten Begegnung klingt “Now, Not Yet” wie ein gut gemachtes, eingängiges und etwas cheesiges Pop-Album, deshalb auch die Landung auf dem eingangs erwähnten Stapel. Die Lyrics richten sich – im schönen Kontrast zu den fluffigen, fröhlichen Rhythmen – jedoch eher an Menschen in schwierigen Situationen. Es geht um das Hadern mit dem Glauben an sich selbst und der Auseinandersetzung mit Religion. Allerdings wird hier nicht offensichtlich missioniert, die drei Musiker teilen einfach ihre Gedanken aus einer echten Überzeugung heraus. Spätestens beim abschließenden “creature” ist man sowieso überwältigt von der alles umschließenden Wärme, die HALF•ALIVE verbreiten können. Während “still feel” sich dazu eher den Soul und Funk der frühen Siebzigerjahre zur Hand nimmt, neigen sich andere Songs Richtung Jazz oder zu den frühen Anfängen von JAMIROQUAI oder den lichten Momente von RAKETKANON.

Mehrere Schichten Musik

Was jetzt so klingt, als sei es den SpartenhörerInnen der Sparte vorbehalten, mausert sich in “Pure Gold” ganz selbstverständlich zum Stadiontauglichen Hit, wenn auch weiterhin mit schrulligem Exotenstempel. Sobald auch nur die Gefahr bestehen könnte, dass die Musik zu beliebig klingt, hauen die Musiker eine harte Kerbe rein. Etwas unerwartetes Klavier oder ein paar Polyrhythmen – Hauptsache, der Song schafft es nicht ins Radio. Auf der anderen Seite sind die Amerikaner aber enorm engagiert und haben einen Haufen Videos veröffentlicht.

Albumtitel als Programm

HALF•ALIVE wecken mit “Now, Not Yet” den Wunsch richtig tanzen zu können, um dem erzeugten Bewegungsdrang angemessen nachgehen zu können, mobilisieren also enorm. Der Gesang von Josh Taylor ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber auch hier lohnt es sich genau hinzuhören. Er weiß genau, wann er welche Tonart verwenden muss und wann er einzelne Silben in der Luft hängenlassen sollte. Was “Now, Not Yet” auch liebenswert macht, ist das vollkommen selbstverständliche Wildern in den Neunzigerjahren. Für “Rest” holten sich HALF•ALIVE den englischen Sänger Samm Henshaw an Bord, der mit seiner souligen Stimme den sanften Groove auf den Höhepunkt schaukelt. Wahrscheinlich ist selbst die Nische noch nicht bereit für HALF•ALIVE. Es gibt sicherlich viele gute Gründe, sich an HALF•ALIVE zu stoßen, aber noch mehr sie für ihre herrlich unkalkulierte Art zu lieben.

Dauer: 41:31
Label: half·alive/RCA Records
VÖ: 09.08.2019

Tracklist “Now, Not Yet” von half·alive
ok ok?
RUNAWAY
Maybe
the notion
still feel.
TrusT
arrow
Pure Gold
ice cold.with Kimbra
Rest with Samm Henshaw
BREAKFAST
creature

half·alive bei Facebook

Alben, die Dir gefallen könnten:
CHASTITY – Death Lust
X-AMBASSADORS – Orion
STARSET – Divisons

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.