Team O Tales From The Lockdown Artwork

Team O – Tales From The Lockdown – Review

Angriff ist die beste Verteidigung. So oder so ähnlich dachte sich wohl TEAM O und entkräftete mit dem Opener “Egotrip” zu seinem Album “Tales From The Lockdown” gleich alles, was man ihm vorwerfen könnte. Noch ein Ü-40-Punk, der uns was vorschrammelt, obwohl er nix kann. Ja gut, so schlimm ist jetzt wahrlich nicht, was uns Timo Tolkmitt (Bassist bei DxBxSx, Sänger und Gitarrist bei BLUTIGE KNIE) in Blau-Weiß (Schalke, oder was?!) vor die Füße wirft. Ziemlich dicht klingen die Songs und vom Vorgehen her, – repetitive Songs, straight durchballernde Riffs und Rhythmen – erinnert das an “Dose Scheiße” von PETER MUFFIN. Nur etwas dumpfer und deutlicher im Rock verhaftet. Gemastert hat das Teil Dennis Kern, der vor Kurzem mit seinem Ein-Song-Werk am Start war.

Einfach mal ganz herzlich für alles bedanken

“Tales From The Lockdown” ist auf den Takt bedacht, wahrscheinlich wollte TEAM O sich an irgendwas orientieren, um während des Lockdowns nicht zu versumpfen. Die Texte sind bissig, zynisch und (ganz bewusst) nicht bis ins Detail ausgefeilt. Es geht darum, den Driss einzufangen und in Bewegung zu bleiben. Wenn Timo in “Corona Gewinnler” singt, dass er gute Laune hat, aber so klingt, als ob er gleich im Bademantel mit Bier, Flips und Spliff auf der Couch Station macht, dann unterhält das schon gut. Zu “Michel, Karen, Ken” kann man sich gerne mit den verfügbaren Kontaktpersonen durch die kleine Bude schubsen, auf den Kapitalismus sollte man immer so gut es geht scheißen, auch nach Corona. Und das ganz besondere “Guten Morgen”-Gefühl, wenn man sich sofort wieder hinlegen und auf den Abend warten will, ist mit der Retro-rockigen Atmo auch zeitlos. Ein torkelnder Mittelfinger an den “geilsten Club der Welt. Nicht. Aber bei Licht betrachtet auch die bittere Erkenntnis, dass das hippe Szene-Berlin im Lockdown ziemlich schnell schäbig und grau in grau wirkte.

‘ne Welt, in der nicht nur Kinder lachen

“Tales From The Lockdown” von TEAM O ist genau das – eine Momentaufnahme mit Kurzgeschichten aus einer trägen Zeit (“Trinkerplätze”) und über die Dinge, die in dieser Zeit noch etwas offensichtlicher an der Oberfläche gären. In manchen Momenten klingt TEAM O angenehm sphärisch, schon fast psychedelisch, dann wirken sie noch etwas dringlicher und konstruktiver. Ob man, wenn der Shit irgendwann mal vorbei sein sollte, noch Musik hören will, in der die Wörter Corona und Lockdown vorkommen, beziehungsweise Teil des Konzeptes sind, ist fraglich. Zum Glück bietet TEAM O noch andere Inhalte, wenn auch allesamt kritisch beäugt und mit einer verweigernden Haltung. Einszwei-Einszwei-Punk mit Auspuckmomenten gibt es von TEAM O nicht zu hören, was “Tales From The Lockdown” auch etwas zugänglicher macht und dafür sorgt, dass die teilweise hoffnungslos idealistischen Songs (“Fleisch ist kein Menschenrecht”) besser bei den Hörer*innen ankommen.

Dauer: 43:52
Label: Tape bei Tape or Die, CD bei Dogma Records
VÖ: Frühjahr 2021

Tracklist “Tales From The Lockdown” von TEAM O
Egotrip
Zum Glück gibt’s Armut
Corona Gewinnler
Michel, Karen, Ken
Hup mich nich an
Guten Morgen
Verschwörungsindustrie
Fleisch ist kein Menschenrecht
Spätschichtkoller
Trinkerplätze
TxMxCxDx
Die Vernunft
Der kleine Mann (Remix)

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