Angel Du$t – Cold 2 The Touch – Review
ANGEL DU$T schlagen mit ihrer Platte „Cold 2 The Touch“ genau den richtigen Weg ein. Tief im Hardcore verwurzelt, sind sie offen für andere Genres und bringen so Neues zum Blühen. Aus den Splittern von TURNSTILE entstanden, ist die Truppe rund um Mastermind Justice Tripp damit auf jeden Fall die bessere Alternative, wenn es um neue Töne in der Szene geht. Die Gästeliste für die mittlerweile XX. Platte der Amerikaner unterstreicht diese Offenheit: Mit Scott Vogel von TERROR, Frank Carter, Wes Eisold (AMERICAN NIGHTMARE, COLD CAVE) und Patrick Cozens von RESTRAINING ORDER erhält eine interessante Palette an unterschiedlichen Einflüssen die Möglichkeit, den Sound mitzugestalten.
Dementsprechend spannend und vielfältig unterhält das Album auch. Den im Albumtitel angedeuteten und in den Songs vermittelten Gedanken über Entfremdung, emotionale Taubheit und den klar formulierten Realitätsschock setzen ANGEL DU$T den maximalen Konter durch weitsichtig komponierte, luftig flankierte Songs entgegen.

Härte mit Leichtigkeit
ANGEL DU$T haben dem Hardcore auf „Cold 2 The Touch“ zwar in die Eier getreten, aber mitnichten die Zähne gezogen. Statt permanentem Gegendruck lösen sie die Härte auf, sortieren die Wirrung, lassen Funken sprühen und fahren die Aufregung gechillt runter. Das mag in wenigen Momenten schon esoterisch anmuten, überwiegend ist „Cold 2 The Touch“ aber von Spaß und packender Dynamik dominiert. Kein Song springt einen spontan an, stattdessen sickern sie langsam, aber sicher ins Langzeitgedächtnis. Das ist wahrscheinlich der größte Unterschied zu TURNSTILE, die mittlerweile genau gegenteilig arbeiten. Interessant, wie man den gleichen Trick anders wirken lassen kann.
„Downfall“ kanalisiert die grobe Ansage in einem kratzigen Rock’n’Roll-Riff, das sich null hetzen lässt. Für die Ansage benötigen ANGEL DU$T gerade mal zwei Minuten; grundsätzlich neigt „Cold 2 The Touch“ nicht zur Prosa. „I’m The Outside“ mäandert bereitwillig fröhlich in die Mitte des Songs, macht dann eine grobe Grätsche, die sich mit Zweifeln vermengt. Man dankt ANGEL DU$T dafür, dass sie trotzdem jeden Euphemismus vermeiden, musikalisch wie inhaltlich.
Hardcore wurzelt, andere Genres blühen
ANGEL DU$T ziehen ihre Einflüsse für „Cold 2 The Touch“ aus spannenden Ecken. „Nothing I Can’t Kill“ tendiert schon Richtung HOT SNAKES, gießt die Hardcore-Schelle in eine komplett neue Form mit einem weichen Refrain. Im Verlauf schmieren ANGEL DU$T unbemerkt Schicht für Schicht auf, lassen Streicher anklingen und enden mit einem akustischen Finale. Das Feld von hinten aufrollen – in jeder Hinsicht scheint das das Motto der Platte zu sein: Nicht stressen lassen, auf die Stärken beziehen und wirklich, nicht nur vorgeschoben, mit anderen verbinden. Dementsprechend poltert „The Knife“ auch klassisch los, stellt sich dann aber selbst ein Bein und öffnet sich einer dramatischen Eskalation mit offenem Ende.
Das abschließende „The Beat“ scheint zunächst klassisch, querschlägert sich dann doch äußerst ambitioniert und mit einem überraschend wilden Solo ins Finale. Mit „Cold 2 The Touch“ schütteln ANGEL DU$T alles ab, was sie belasten könnte, und schaffen ein Werk, das man fernab von Trends lange genießen kann.
Dauer: 26:35
Label: Run For Cover / Cargo
VÖ: 13.02.2026
Tracklist „Cold 2 The Touch“ von ANGEL DU$T
Pain Is A Must
Cold 2 The Touch
I’m The Outside
Jesus Head
Zero
Downfall
DU$T
Nothing I Can’t Kill
Man On Fire
The Knife
The Beat
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