Franka Bloom – Andere nennen es Urlaub – Review
Man merkt „Andere nennen es Urlaub“, dem aktuellen Roman der Autorin Franka Bloom aus Leipzig, sofort an, dass sie eine erfahrene Drehbuchautorin ist. Die leichte Lektüre spielt größtenteils in Italien, und sofort entstehen vor dem inneren Auge Bilder von pittoresken Dörfern und Küsten. Man meint, den Wind auf der Haut zu spüren und den Duft von Zypressen und gutem Essen zu riechen.
Der Anfang des Romans ist traurig: Netti verliert ihren Job, den sie ohnehin nicht mochte, was bedeutet, dass der geplante Trip mit ihrem Sohn Luis ausfallen muss. Dabei wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, um sich abzulenken. Der Tod ihrer Mutter liegt erst drei Monate zurück, und ihr Vater Bruno, der eigentlich beruflich mit dem Thema vertraut war, kann den Verlust nicht verkraften und möchte sich nicht von der Strickjacke und von der Asche seiner geliebten Ehefrau trennen. Überraschend ergibt sich dann für die Familie eine andere Möglichkeit, in den Urlaub zu fahren, zwar in anderer Konstellation und nach Triest, aber immerhin weg von zu Hause.

Nimmt einen beim Lesen ohne Umschweife gefangen
„Andere nennen es Urlaub“ von Franka Bloom ist ein typisches Buch für den Balkon, den Strand oder die Liege im Schwimmbad. Das klingt oft leicht abwertend, doch um diesen Status zu erreichen, muss ein Buch Kriterien erfüllen, die gar nicht so leicht umzusetzen sind. Es muss sich angenehm und flüssig lesen lassen, den Leser ohne große Umschweife einfangen und für sich einnehmen. Genau das gelingt der Autorin, denn man möchte sofort wissen, was Netti und ihren Anhang in Italien erwartet. Schnell wird klar, dass die geplante Flucht auch ein Trip in die Vergangenheit sein wird und, dass Dolce Vita hohes Heilungspotential hat.
Dabei sind die geschilderten Erlebnisse nicht nur bewegend, sondern immer wieder auch durchaus lustig, was dem Roman eine angenehme Leichtigkeit verleiht. Netti wird mit der Unberechenbarkeit des Lebens konfrontiert und lernt, dass man etwas verlieren und gleichzeitig Neues hinzugewinnen kann. Der Schreibstil von Franka Bloom ist einnehmend; rasch arbeitet sie ihre Figuren so detailliert aus, dass man sie sich lebhaft vorstellen und gut einschätzen kann. Sie verleiht ihnen Profil und erweckt Landschaft und Umgebung zum Leben. Ob rein aus der Fantasie heraus oder angereichert mit eigenen Reiseerfahrungen, als Leser fühlt man sich schnell als Teil dieser Reise.
Eskapismus und Vertrauen in das Gute
Die von Anfang an angedeuteten Geheimnisse lösen sich zwar recht vorhersehbar auf, große Überraschungen bleiben aus. Vieles fügt sich zudem fast schon zu glatt und positiv. Allerdings lässt Franka Bloom dabei auch den einen oder anderen Erzählfaden einfach fallen, als hätte sie keine ganz überzeugende Auflösung dafür gefunden.“Andere nennen es Urlaub“ tut damit genau das, was man von einem solchen Buch erwartet. Es bedient den Wunsch nach Eskapismus, stärkt das Vertrauen in das Gute und zeigt, dass es in allen Familien Streitereien und Spannungen gibt.
Seiten: 384
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499017520
ISBN-13: 978-3-499-01752-0
VÖ: 13.03.2026
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