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Lingua Nada – Djinn – Review

LINGUA NADA rennen mit “Djinn” gegen den Uhrzeigersinn. Aber sie bleiben im Takt, in ihrem eigenen. Das bedeutet nicht, dass man der Band nicht folgen kann. Album Nummer zwei fühlt sich eher an, wie eine einzige Überraschung. LINGUA NADA aus Leipzig stoßen uns in einen magischen Raum. Ein Raum, der sich ständig transformiert und uns immer andere musikalische Möglichkeiten offeriert. Klingt schräg und spannend, ist es auch. Dabei vergessen die drei Musiker aber nicht, den Hörer abzuholen und auf ihre Reise mitzunehmen. Unter einem Djinn versteht man in der islamischen Kultur ein geheimnisvolles Wesen, das auch Rauch erschaffen wurde und dem Menschen nur selten sichtbar wird. Was wirst Du sehen und hören?

Welcher Djinn zeigt sich Dir?

LINGUA NADA sind eine dieser Band, die Gefahr laufen so verkompliziert dargestellt zu werden, dass sie unnötig lange im Underground dümpeln. Dabei kann man das leicht ändern, denn so massenunkompatibel ist das Trio nun auch wieder nicht. Es gibt süßen Gesang auf “Djinn” und kein Gebrülle und manche Lieder sind schlichtweg krumm konstruierter Pop-Rock (“Salam Cyber”) mit ungewöhnlichen Gimmicks. LINGUA NADA kommen trotz all der Fülle verhältnismäßig schnell auf den Punkt, keine der zwölf Songs schweift unnötig ab. “These Hands Are Royal” ist gerade wegen dem Tarantino-artigen Bienenschwarmende erst richtig gut. Das entspannende “Yalla Yalla” ist ein auf das Minimum heruntergebrochener R’n’B-Song, den die Band aufgemotzt und auf ultraschillernden Hochglanz poliert hat.

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Lingua Nada, 2019 Foto byVormittagstudios

Etwas Rauch schadet nicht

Will man für die Vermengung von Post-Hardcore, Mathcore, Indie-Punk, Grunge und ganz viel Synthiepassagen einige Bands als Anknüpfungspunkte nennen, darf man in die Neunzigjahre reisen und BASEMENT JAXX oder die GORILLAZ nennen. Deren Experimentierfreude haben sich LINGUA NADA zu eigen gemacht, darüber hinaus noch Krach und Groove dazu gepackt, der an RAKETKANON erinnert. “Ex Colonialist Super Machine” hämmert und drückt dann in bester Sludge-Manier, die Gitarren übernehmen den Takt und die Band schwenkt in Richtung Noise, allerdings mit einer dicken Schaufel Space Rock. Die tanzbare Eruption lockert den vorherigen Druck dann wieder auf, das Finale klingt dann schon stark nach BARONESS. Fünfzig Minuten Spielzeit ist eine heftige Ansage, trotzdem fallen LINGUA NADA in keiner Sekunde ab und “Djinn” ist durchweg unterhaltsam.

Ganz eigenes Ding

LINGUA NADA gelingt es, trotz aller Verquickungen jedem Vergleich standzuhalten und einen ganz eigenen, deutlich erkennbaren Sound zu erschaffen. Es gibt unterschiedliche Formen eines Djinns, manche richten Schaden an, manche koexistieren neben den Menschen und schützen sie sogar. “Djinn” von LINGUA NADA ist mindestens genauso vielseitig und welche Gestalt das Album annimmt, hängt stark von der Offenheit und Einstellung des Hörers ab.

Dauer: 50:52
Label: Kapitän Platte / Cargo
VÖ: 27.09.2019

Tracklist “Djinn” von LINGUA NADA
Proto
Baraka
Habiba
Salam Cyber
These Hands Are Royal
Dweeb Weed
Djinn
Ex Colonialist Super Machine
Yalla Yalla
In Limbo
Gucci Mekka
Taxiheim

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Checkt auch mal die Platte “Chlorine” von den Dudes von PABST aus, die Review dazu findet ihr hier. Auch sehr wendig, aber mit deutlich mehr Gebrüll musizieren die Polen von FLESHWORLD.

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