Fontaines D.C. Cover zum Album "Dogrel"

Fontaines D.C. – Dogrel – Review

Das Debütalbum der Band FONTAINES D.C. aus Dublin City, teilweise zugezogen, wurde schon sehnsüchtig erwartet. Der charmante Opener “Big” stampft in weniger als zwei Minuten ins Ziel, hat den Bass in die erste Reihe gestellt und dürfte den meisten schon vor der Albumveröffentlichung bekannt gewesen sein, wie mindestens drei andere Songs. FONTAINES D.C. spielten hier schon einen Großteil ihre Joker aus, trotzdem hält “Dogrel” noch einige Überraschungen in der Hinterhand und weist absolut keine Schwachstellen auf.

Sind FONTAINES D.C. too real for ya?

Der nach THE CLASH klingende Klassiker mit Strummer-Riff-Verbeugung namens “Sha Sha Sha”, lässt den Finger immer wieder zur Repeattaste schnellen und beherrscht die Kunst der Reduktion unbestreitbar. Das hat tatsächlich wenig mit Postpunk zu tun. Ungekünstelte Lyrics, untermauert mit purem Rock’n’Roll (“Chequeless Reckless”) und Punk, erinnern eher an die ganz Großen und wirklich guten Bands. Repetitive Lyrics, die trotzdem zur Eskalation fähig sind, noch dazu sozialkritisch, smart und nicht verkopft, sondern geradeheraus. FONTAINES D.C. verteilen so manche Kopfnuss und zielen punktgenau auf Herz und/oder Hirn.

Der schnoddrige und authentische Gesang von Grian Chatten ist mitnichten glattgebügelt, stattdessen kantig und zwar sprachlich und im Hinblick auf die Intonierung. Das wird nicht jedem gefallen und für manche die Haltbarkeitsdauer etwas kürzen. Und viele werden sich sicher fragen, was genau denn FONTAINES D.C. so besonders macht, und was genau die Iren jetzt überhaupt neu erfunden haben. Eigentlich nichts, die Antwort steht wie immer zwischen den Noten.

Hitparade aus Dublin

Im sanft von Gitarren angeschobenen “Television” und herrlich treibenden und schwerelosen Gitarrenkleinod “Roy’s Tune”, lassen FONTAINES D.C. mal eben gekonnt THE CURE und MORRISEY aufeinanderprallen. Der Eine wurde vor Kurzem 60 Jahre alt, während der Andere schon länger nur noch Gehirnfürze von sich gibt … Nachschub ist also herzlich willkommen. In “Hurricane Laughters” zeigen FONTAINES D.C. noch mehr Zähne und strecken sich in Richtung Noisepunk. Der knurrige Bass baut die maximale Spannung auf, während Chatten uns mit “and there is no connection available” zur Ekstase treibt und die Signalgitarren uns den Groove vehement einhämmern.

Now here comes the sun …

Die Motivation und die Klasse der Band auf den Brexit zu reduzieren, finde ich allerdings nicht gerechtfertigt. Wie jede andere Band, sind “FONTAINES D.C. von ihrer Kindheit, Jugend, schlechten und schönen Erinnerungen geprägt, von den politischen Missständen angepisst und zu großen Teilen auch angeschoben. Aber “Dogrel” wäre ganz sicher auch ohne die Trottel und das Desaster zustande gekommen, die Band schöpft ihre Kraft nicht ausschließlich daraus. Und mit “Liberty Belle” lässt sich wirklich herrlich zynisch und bestimmt gegen den Frust anschwoofen, Ende des Jahres geben sich die fünf Dudes hier in Deutschland die Ehre.

Für Leute, die …
sich nicht vom Hype abschrecken lassen.

Tracklist “Dogrel” von FONTAINES D.C.
Big
Sha Sha Sha
Too Real
Television Screens
Hurricane Laughter
Roy’s Tune
The Lotts
Chequeless Reckless
Liberty Belle
Boys In The Better Land
Dublin City Sky

Dauer: 39:59
Label: Partisan Records
VÖ: 12.04.2019

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