Lest die Review zu "Second Skin" von VOMIT HEAT bei krachfink.de

Vomit Heat – Second Skin – Review

Von einem, der mit dem Namen VOMIT HEAT loszieht, um Musik zu machen, erwartet man abstoßende Klänge. Auf “Second Skin” vereint der zwischen Köln und Berlin pendelnde Künstler Nils Herzogenrath aber genau das Gegenteil. Alles hört und fühlt sich vertraut und längst vergangen, aber auch aufregend neu an.

Schwankende Emotionen, durchaus geplant

“Leere feat. STELLA SOMMER” hat tatsächlich etwas von einem Vakuum, man fühlt sich wohl, begrenzt und irgendwie angenehm aufgelöst. Ein typischer Song, um ihn in die Endlosschleife zu packen. Generell rollt VOMIT HEAT aber eher das Feld von hinten auf, lässt Musik mit Emotionen im kompletten Kontrast aufeinanderprallen. Die Reaktionen auf das Gehörte schwanken dementsprechend. Wie früher, wenn man sich als Kind unterm Bett versteckt hat: Der viel zu enge Platz konnte zur gemütlichen Höhle werden und Behaglichkeit auslösen, aber immer wieder setzte panikartig die Angst ein, genau dort zu ersticken. VOMIT HEAT führt uns auch oft an die Orte, an denen noch gar nichts geklärt sind.

Er hat nicht den Anspruch, nachvollziehbare Songs zu schreiben, bei denen im Refrain die Hände nach oben schnellen oder klatschend aufeinandertreffen. Songs wie “Different Life” erinnern eher an die Vorgehensweise von SLOE PAUL, aber irgendwie auch an MAC DEMARCO oder einen Post-punkigen-Shoegaze-Knüller, der auf 33 statt 45 abgespielt wird.

Stattdessen zelebriert er die Repetition und das Vage, kombiniert Gegensätze und leitet davon manchmal eine erschreckende, musikalische Logik ab. “Dream OD” oder “Heute” stößt sich bei genaue Betrachtung ab wie zwei gegensätzliche Pole, harmoniert aber genau deshalb auf ganz verrückte Art.

VOMIT HEAT fordert uns heraus

Oder um es anders zu formulieren: Man weiß sehr oft überhaupt nicht, was VOMIT HEAT von einem möchte und versteht das Ergebnis nicht, ist aber positiv angetan. In seiner Vehemenz ist “Second Skin” damit nachhaltig, ohne aufdringlich zu sein. Mit fast 55 Minuten Spielzeit setzt VOMIT HEAT schon eine gewisse Bereitschaft voraus, die mich zum Ende hin etwas verlässt. Das liegt aber einfach daran, dass VOMIT HEAT die Hörerinnen und Hörer bewusst fordert. Gut so!

Dauer: 54:39
Label: Ana Ott
VÖ: 06.05.2020

Tracklist “Second Skin” von VOMIT HEAT
I’m Over You
Dematerialize
Leere feat. Stella Sommer
Anxiety
Dream OD
Coincidences04
Close To Invisible
Ornamental Sight
Different Life
Heute
Sweat Days

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