Lest die Review zu "Hands" von WALLIS BIRD bei krachfink.de

Wallis Birds – Hands – Review

Auch auf ihrem neuen, mittlerweile siebten Album „Hands“ wird sofort klar, dass die irische Musikerin WALLIS BIRD auch dieses Mal nicht einfach nur gute Musik macht. Nein, sie verschmilzt wieder regelrecht mit ihr, verwebt intime Teile von sich selbst in den Noten und offenbart ihr Innerstes zwischen Zeilen.

Wer aufmerksam zuhört, wird zahlreiche klangliche Facetten und Details erstöbern, in denen WALLIS als Persönlichkeit deutlich herauszuhören ist. Dass wir uns diesem Mal über eine Mischung aus Indietronic und tanzbarem Pop freuen dürfen, liegt auch an der Zusammenarbeit mit Philipp Milner von HUNDREDS und der Tatsache, dass Wallis offen war für Neues.

WALLIS wie immer und doch wieder ganz anders

Der Albumtitel „Hands“ hat im Zusammenhang mit der Künstlerin eine besondere Bedeutung. Nach einer Begegnung mit einem Rasenmäher verlor WALLIS BIRD alle Finger an der linken Hand, vier davon konnten wieder angenäht werden. Die Hand steht auch exemplarisch für Dinge aus der Hand geben oder jemandem die Hand reichen. Und Gegensätze sind ein wichtiges Thema auf dem neuen Album von WALLIS BIRD.

Während „I Lose Myself Completly“ eigentlich wirkt, wie eine lockere Achtzigerjahretanzhymne, offenbart WALLIS hier ihre Gedanken über eine Phase, in der sie sich tatsächlich verloren hatte, nicht im positiven Sinne. Dementsprechend düster schieben uns die drohenden Wave-Synthies nach vorne, scheinen mit ihrem hüpfenden, hellen Gesang in inspirierendem Kontrast zu stehen.

Schillernd und überraschend

Das entrückte „Aquarius“ scheint von dichtem Nebel überzogen zu sein, wirkt irgendwie extrem weit weg und unwirklich. Dass „F.K.K. (No Pants Dance)“ dezent an BJÖRKs „Crying“ erinnert, ist mit Sicherheit kein Zufall. Denn im Hinblick auf schillernde Wandelfähigkeit und die Bereitschaft Grenzen zu überschreiten, kann man WALLIS sehr wohl mit der Isländerin vergleichen.

Das Lied „The Power Of A Word“ erzählt von der Macht der Sprache und über Berührungen. Es ist WALLIS BIRD auf magische Art und Weise gelungen, hier alles so feinfühlig zu arrangieren, dass man sich tatsächlich sanft gestreift fühlt.

Es bleibt spannend und schön

Auch der dezent von Akustikgitarre getragenene Gänsehautschmeichler „The Dive“ sperrt alles aus, lässt nur die pure Konzentration auf das Gefühl zu und zelebriert einen, ganz besonderen Moment. Bewusst lässt WALLIS den Song ausfaden, denn wer weiß schon, ob und wann der nächste besondere Moment kommt? Es bleibt also weiterhin spannend und schön mit WALLIS BIRD. Einer Künstlerin, die sehr intime Einblicke gibt und deren Diskografie wie ein liebevoll dekoriertes, musikalisches Tagebuch wirkt

Dauer: 32:13
Label: Mount Silver Records
VÖ: 27.05.2022

Tracklist „Hands“ von WALLIS BIRDS
Go
What’s Wrong With Changing
The Power Of A Word
Aquarius
F.K.K. (No Pants Dance)
Dream Writing
I’ll Never Hide My Love Away
The Dive
Pretty Lies

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