Blond Martini Sprite

Blond – Martini Sprite – Review

Ob man BLOND einen Gefallen tut, wenn man in der Review zu ihrem Debüt “Martini Sprite” die angebotene Beschreibung von Lotta und Nina als “die Kummer-Schwestern” übernimmt? Einerseits unterschlägt man damit das dritte Bandmitglied Johann und außerdem interessiert es eigentlich nicht, dass die beiden Mädels die Schwestern der KRAFTKLUB-Brüder sind. Viel wichtiger ist die Assoziation, die dadurch mit den Humpe-Schwestern Annette und Inga entsteht. Denn mit den beiden teilen sich BLOND die Freiheit, das Unkonventionelle und den selbstbewussten Unterton in ihren tanzbaren Indie-Dancesongs, die ihre Fühler in alle möglichen Spielarten strecken.

Meanwhile in my uterus

BLOND sind erfrischend unverkrampft, musikalisch und textlich. Ganz selbstverständlich blasen sie Ein-Wort-Sätze zu von Beats angetriebenen Hits auf, singen über Regelblutungen (“Es könnte grad nicht schöner sein”) und küren sich selbst, mit smoothem Hip Hop im Nacken, zu Sanifair Millionären. Mit Pipi und Kacka Gold machen? Mitnichten. BLOND sind sehr talentiert, wissen genau wann es einen Satz mehr sein muss und wann es auch mal ausreicht, die Synthies einfach auf Anschlag ballern zu lassen. “Thorsten” widmet sich dem aktuellen Stand von Frauen in Bands und der ewig alten Leier von “gar nicht schlecht… für ´ne Frau”. Wenn der Typ grundsätzlich davon ausgeht, dass er auf jeden Fall die meiste Ahnung von Sound und Bühnentechnik hat.

“Sie” setzt sich mit eigentlich unbegründeten Ängsten auseinander, aus denen sich zu befreien manchmal schwer bis unmöglich erscheint. Vom Pop krallen sich BLOND in erster Linie die Eingängigkeit, fast alles auf “Martini Sprite” hinterlässt Spuren. Die Band zeigt sich von Anfang an sehr nahbar und offen, spricht die HörerInnen direkt an.

BLOND haben keine Berührungsängste

Die beiden singenden Schwestern werfen sich gegenseitig die Bälle zu – die Vertrautheit macht sich bemerkbar – und ergänzen sich stimmlich sehr gut. Johann zupft den Bass allerdings ebenso gekonnt (“Match”) und legt einen stabilen Teppich aus, während Lotta Kummer die Drumsticks schwingt. In “Las Vegas Glamour” nimmt das Trio den Alltag von Newcomerbands auf die Schippe, vergleicht die Realität mit den überzogenen Vorstellungen und zeigt sich am Ende aber doch versöhnlich damit. Die Geschichten, die BLOND erzählen, erklären den HörerInnen nicht pausenlos die Welt und Textzeilen wie “Nina hat mal wieder Magen-Darm” wirken auch nicht sonderlich einladend. BLOND überzeugen aber mit dem spürbaren Bock auf Musik, Können und dem Selbstbewusstsein ihr eigenes Ding durchziehen. Die Momente, in denen sie im allerbesten Sinne an die eingangs erwähnten Humpe-Schwestern und GROSSSTADTGEFLÜSTER erinnern (“Match”, “Sie”) machen “Martini Sprite” nur noch besser.

Dauer: 38:12
Label: Beton Klunker Tonträger (Rough Trade)
VÖ: 31.01.2020

Tracklist „Martini Sprite“ von BLOND
Intro
Autogen
Nah bei dir
Es könnte grad nicht schöner sein
Las Vegas Glamour
Thorsten
Match
Sie
Kälberregen
Hit
Sanifair Millionär
Outro

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