Thoughts – Of The Radiant Void – Review
Mit ihrem Debütalbum „Of The Radiant Void“ umgeht die instrumentale Post-Progressive-Metalband THOUGHTS aus Rostock mühelos jene Stolperfallen, in die viele Erstveröffentlichungen tappen. Schon die überragende Produktion von Chris Edrich (LEPROUS, THE OCEAN, DEVIN TOWNSEND, TESSERACT) und Pierre Noel (LEPROUS, ALCEST, KLONE, HYPNO5E) hebt das Material auf ein bemerkenswertes Niveau.
Doch es sind vor allem die vielschichtigen, detailreichen Kompositionen, die Eindruck hinterlassen. Zwischen Licht und Schatten entfaltet sich ein Sound, der trotz seiner Komplexität nie überladen wirkt: dicht, lebendig und gleichzeitig erstaunlich klar. Statt wie ein typisches Debüt klingt dieses Album wie ein durchdachtes, in sich geschlossenes Werk, das auch ohne Gesang unmittelbar Bilder im Kopf entstehen lässt.

THOUGHTS setzten auf Klangwelten statt Gesang
Die wenigsten Bands entscheiden sich für instrumentale Musik aus bloßer Notwendigkeit – und auch auf „Of The Radiant Void“ gibt es durchaus Passagen, in denen Gesang gut funktionieren würde. Stattdessen füllen THOUGHTS diese Räume mit Saxophon-Soli, Klavierflächen, Hall, Fragmenten von Funksprüchen und Synthesizern. Selbst die oft bemühte Floskel der „singenden Gitarren“ trifft hier erstaunlich gut zu.
Kein typisches Debüt
Das auch im Artwork aufgegriffene Wechselspiel von Licht und Schatten spiegelt sich dabei konsequent in den Kompositionen wider: Helle, fast schwebende Passagen gehen nahtlos in harsche, düstere Ausbrüche über. THOUGHTS verzahnen diese Gegensätze mit bemerkenswerter Präzision und führen den Hörer mühelos von einem Extrem ins andere. Polyrhythmen, verzögerte Einsätze und unvorhersehbare Strukturen sorgen dafür, dass jeder Song auf seine eigene Weise Spannung aufbaut.
„Ecliptic“ vereint beide Atmosphären, lässt sie scheinbar miteinander kämpfen und projiziert im Kopf nonverbal ein handfestes Abenteuer. THOUGHTS haben ein gutes Gespür für Drama, ohne zu theatralisch zu werden. Das Präfix „Post“ interpretieren sie stets angemessen kernig und trotzdem melodiös.
Vertrackt, aber nie verloren
„Of The Radiant Void“ von THOUGHTS empfiehlt sich auf keinen Fall zum Nebenbeihören. Dann verläuft man sich schnell in der Vielfältigkeit, verpasst den nachvollziehbaren Aufbau und die Emotionen kommen dumpfer und zersplittert an. Dabei gibt es gerade in Songs wie dem orientalisch anmutenden „Afore Dawn“ sehr viel zu entdecken. Die Musiker schenken sich hier nichts. Ohne gegeneinander zu arbeiten, fordern sie sich doch offensichtlich mit Tempowechseln und unvorhersehbaren Passagen heraus. Diese Dynamik macht Spaß und hebt THOUGHTS ab. Nimmt man sich Kopfhörer und etwas Zeit, wird man mit einem mächtigen Werk belohnt. Live sicherlich auch sehens- und hörenswert.
Dauer: 43:41
Label: Eigenproduktion
VÖ: 27.03.2026
Tracklist „Of The Radiant Void“ von THOUGHTS
Refract
Sunfall
Descend · Disperse
Heliotrope
Ecliptic
Afore Dawn
The Luminoid
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