Lest die Review zu "Normal Isn't" von PUSCIFER bei krachfink.de

Puscifer – Normal Isn’t – Review

PUSCIFER machen mit „Normal Isn’t“ unmissverständlich klar, dass sie ihren Humor nicht verloren haben. Er mag zynisch sein, harmoniert aber hervorragend mit dem Experimental-Art-Rock. Die Melange aus dem künstlerischen Verständnis von Maynard James Keenan, Carina Round, Mat Mitchell und deren hochkarätigen Gästen ist einzigartig. Verhältnismäßig lässig kreuztakten sich PUSCIFER mit dem sperrigen Opener „Thrust“ locker in ihre mittlerweile fünfte Platte ein. Der Song über das Morden wird durchbrochen von zitternd-massiven Gitarren, die Bass und Drums am Vorankommen hindern.

Sofort ist klar, dass das Trio den Humor nicht verloren hat, ihn nun aber ungehindert schwarz glänzen lässt. Gleichermaßen alptraumartig und präsent drippeln sich Maynard James Keenan und Carina Round am Grundtakt vorbei. Makaber, dystopisch und trotzdem jederzeit durch ungewöhnliche, aber charmante Widerhaken, greift sich die Band damit sofortige Aufmerksamkeit.

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PUSCIFER 2026, Foto von Travis Shinn

Vorsicht an der Kreuzung: Wenn Musik zur Falle wird

„Normal Isn’t“ von PUSCIFER thematisiert die Gefahren der Vereinsamung und des Abdriftens der Gesellschaft in den privaten und meist digitalen Raum. Dass sie dafür kühle Beats und Synthesizer wählen, macht sie nur noch glaubwürdiger. „Bad Wolf“, eine treffende Metapher auf das Versacken vor dem Bildschirm, zeigt, wie die Wirkung der ständigen Berieselung Lüge wie Wahrheit wirken lässt und das eigene Urteilsvermögen schrumpfen lässt. Wir leben in einer Simulation, so unverfroren zieht Maynard James Keenan seine Schlüsse.

Um die Gefahr zu verdeutlichen, mischt er neue mit alten Klängen: Der Synclavier, einst Handwerkszeug von MICHAEL JACKSON oder FRANK ZAPPA, ist genauso deutlich herauszuhören wie der Moog One, der eher bei SKRILLEX oder GORILLAZ, also im experimentellen und Popbereich, zum Einsatz kommt.

It’s all about the blamegame

„Self-Evident“ fängt die Menge ein, bezirzt sie so schamlos, dass man sich der Tragweite der Lyrics kaum bewusst wird und als reines Stampf- und Mitsingvieh fungiert. Der Song zieht auf seltsame Weise wie ein Berserker nach vorne und stoppt sich in manchen Szenen dann selbst wieder aus. Bis zum Maximum vollgeladen bombardieren uns PUSCIFER hier mit allem, was sie haben. Live wird dieses Lied die Menge erschlagen und komplett für die Band einnehmen. „Normal Isn’t“ schöpft eine Menge Dynamik aus dem synkopierten Schlagzeug, das so mancher Komposition massiven Anschub gibt und sie stärker und kompetenter macht.

„Public Stoning“ implodiert aus diesem Grund mehrfach, wirkt wie die musikalische Inszenierung einer Schlacht gegen sich selbst. Lediglich die Gitarren lassen den Druck abfließen und den Knoten platzen, in dem sich PUSCIFER selbst immer enger fesseln. Eben genau wie die beschriebenen Generationen, die so lange die falschen Kanäle füttern, bis sie stark genug sind, um von ihnen genüsslich aufgefressen zu werden.

Der Moment der Konfrontation

„The Algorithm“ rundet „Normal Isn’t“ von PUSCIFER amtlich ab und fügt den wichtigen Beleg hinzu, was passiert, wenn PUSCIFER auf Publikum treffen. Wenn Performance und Erwartung aufeinanderprallen und zu etwas Einzigartigem kumulieren. Wenn sie ihre Text-Musik-Geflechte brachial vor den interessierten Latz knallen – ganz ohne digital schützende Zwischenwände und ohne den milchglasartigen Filter, der den Bildschirm von der Realität spaltet. „Attention, Addiction“, so banal prügeln und alarmsingen PUSCIFER den Trick des Kapitalismus auf den Punkt, während die organischen, aber massiv penetranten Drums den Bass an die Hand nehmen.

Es gibt unfassbar viel zu entdecken auf „Normal Isn’t“ von PUSCIFER. Das Potpourri an Ideen und der geniale Transfer der wichtigen Themen unserer Zeit in Töne und Texte sind beispielhaft. Den Vorgänger „Existential Reckoning“ lassen PUSCIFER rückwirkend blass wirken, weil die Realität immer härter knallt als die Fiktion.

Dauer: 54:34
Label: Puscifer Entertainment / Alchemy Recordings / BMG
VÖ: 06.02.2026

Tracklist „Normal Isn’t“ von PUSCIFER
Thrust
Normal Isn’t
Bad Wolf
Self Evident
A Public Stoning
The Quiet Parts
Mantastic
Pendulum
ImpetuoUs
Seven One
The Algorithm (Sessanta Live Mix)

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