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Interview mit Jannes von tot zum Album “Lieder vom Glück”

tot aus Ostfriesland – klein geschrieben, jawoll! – stellen uns “Lieder vom Glück” in Aussicht. Stimmt natürlich gar nicht, denn die Punker aus Ostfriesland jonglieren vorrangig mit krachigen Dystopien. Wir wollten von Jannes wissen, wie man so gute Laune kriegt.

Ihr kommt aus Ostfriesland, ich dachte, da wäre die Welt noch in Ordnung, warum seid ihr so schlecht gelaunt?

Es ist zwar schön in der Natur und es ist ruhig, das hat aber eben auch den Nachteil der völligen Isolation. In Anbetracht der ganzen gesellschaftlichen und politischen Entwicklung, sieht die Zukunft nicht allzu rosig aus. Das kann einem dann schon die Laune verderben.

Wer ist alles bei tot dabei und mit welcher Motivation habt ihr euch als Band zusammengefunden?

Wir sind Hanno, Björn, Jan und ich, Jannes. Björn ist erst dieses Jahr dazugekommen. Davor haben wir schon einige Zeit zu dritt musizierend im alten Heizungskeller verbracht. Die Motivation dafür kommt daher, dass dieser ganze Bandquatsch schon das ist, was wir am liebsten tun und am besten können.

Besonders eure knappen Texte, die sehr schnell auf den Punkt kommen, finde ich gut. Wer schreibt die Texte und kürzt ihr die dann auf die Kernaussage oder stehen die von Anfang an so sauber abgefeilt?

Die Texte sind bisher alle von mir. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, noch mehr zu Text zu Papier zu bringen. Wir haben zu aller erst angefangen auf Englisch zu schreiben, fühlten uns aber distanziert zu den Liedern, die dadurch irgendwie nichtssagend geworden sind. Danach kamen die ersten deutschen Texte, die eher quatschig und stumpf waren und sind schließlich bei diesen reduzierten Songtexten gelandet. Es hat gedauert einen Ton zu treffen, mit dem wir zufrieden waren.

tot, “Lieder vom Glück”

Das Coverartwork steht schon fast im Kontrast zum Inhalt, es sieht ansprechend und positiv aus. Wer hat das gemacht und was ist die Idee hinter dem Motiv?

Der neue Star am Grafikhimmel persönlich. Wir hatten Glück, dass Maz vom Label Spastic Fantastic auf uns aufmerksam geworden ist. Nicht nur, weil es zwischen Label und Band passt, sondern auch weil er dieses wunderbar schrille Cover für uns gemacht hat. Wir hatten uns nur grobe Gedanken zum Artwork gemacht und Maz, der Agenturensohn, hat diesen Osterhasen vorgeschlagen. Nach dem ersten Entwurf haben wir uns darauf geeinigt, dass es gleichzeitig schrecklicher und kitschiger werden musste. Viel kam da von Maz.

Tod ist euer Kernthema, glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?

Wir glauben nicht, dass es wichtig ist zu wissen, was nach dem Tod passiert. Diese Endgültigkeit zusammen mit der Undenkbarkeit des Todes ist, so glaube ich, nicht nur ein Themenkomplex, der nur uns interessiert.

Inwiefern ist Nihilismus ein Antrieb für euch im normalen Alltag?

Nihilismus ist alles andere als ein guter Antrieb. Es ist eher andersherum, die Band ist ein gutes Ventil, um den Nihilismus zu bündeln und auszukotzen. Ich glaube, es kann sehr schnell krankhafte Züge annehmen den Nihilismus zu stark in das eigene Leben zu integrieren – warum überhaupt was tun? Zack – depressiv…

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tot, 2019

Wollt ihr mit „Lieder vom Glück“ andere Leute motivieren oder in erster Linie euren Frust von der Seele lärmen?

Wir empfinden uns nicht unbedingt als große Motivatoren, eher als das Gegenteil davon. Das Album ist für uns also eher der Versuch unserem Frust über das Leben im falschen Ausdruck zu verleihen. Was daraus gemacht wird, liegt ja nur begrenzt in unserer Hand. Oft wird es super dumm und pathetisch, sobald Bands anfangen ihr eigenes Schaffen zu interpretieren. Damit wird viel kaputt gemacht.

Die Review zum Album “Lieder vom Glück” von tot findet ihr hier. Weitere lebensbejahende Hymnen gibt es bei WOLF MOUNTAINS, die Review zu “Urban Dangerous” findet ihr hier.

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