Phileas Fogg - Kopf unten Artwork

Phileas Fogg – Kopf, unten – Review

Mit ihrem Debütalbum “Kopf, unten” werden die Post-Punker von PHILEAS FOGG ganz sicher ihren festen Platz in der Szene finden. Irgendwo im Spannungsfeld zwischen der Schwerelosigkeit von MESSER, den süß-poppigen Gitarrenläufen von LOVE A, den abgehängten Instrumentalparts von DIE NERVEN und der grundsätzlichen Melancholie von TURBOSTAAT, schafft sich das Trio seine ganz eigene Mischung. Anders als bei der Inspiration zum Bandnamen geht es bei PHILEAS FOGG nicht in 80 Tagen um die Welt. Es geht eher um zurückgebliebene Pseudo-Elite, die Verrohung der Menschheit, Leistungsdruck, nach innen gerichtete Kämpfe und das Hadern mit der eigenen Rolle in der Gesellschaft. Lösungen und Zeigerfingertexte gibt es nicht, aber mindestens einen gut gemeinten Rat: “Du musst tanzen, bevor das Licht angeht.”

Phileas-Fogg-Bandfoto-2019
Phileas Fogg, 2019

PHILEAS FOGG sind gut darin, die Richtung während des Songs nochmals zu drehen und die Perspektiven von Song zu Song zu wechseln. Das Lied “Affen” pulsiert angenehm wavig vor sich hin, erst im Refrain wird es krachig und die Gitarre übernimmt. Selbst der Albumtitel ist mehrfach interpretierbar. Hast Du den “Kopf,unten” oder wird Dir geraten den “Kopf,unten” zu halten? Auch mit den Ein-Wort-Songtiteln halten sich PHILEAS FOGG alles offen, manche Texte sind direkter formuliert, wieder andere auf das Nötigste heruntergebrochen. Das ist klasse für den Hörer, der sich mit dem dunklen, tanzbaren “Nacht” in seiner (Außenseiter)rolle positiv oder negativ bestätigt fühlen kann.

Mit dem Herz im freien Fall

Wer vor Kurzem gerade die Band KONTROLLE mit ihrem Album “Egal” gefeiert hat, wird von “Leistung” begeistert sein. PHILEAS FOGG vertonen mantrisch die ewige Monotonie des Seins, immer getrieben vom Leistungsdruck, von oben und von unten. Die musikalischen Strukturen kennt man eben von den eingangs erwähnten Bands. Aber “Kopf, unten” bietet eine spannende, neue Interpretation dieser Zutaten und zwar keine, in die man sich erst einhören und einfühlen muss. PHILEAS FOGG stehen sofort mit dem Fuß in der Tür, ernst zu nehmen und auf einem überraschend hohen Qualitätslevel. Ob eine Band gut ist, entscheidet sich oft auch über die Beherrschung der Instrumentalstrecken. Mit “Geister” beweist die Band, dass sie auch diese Disziplin im Griff hat und solche Strecken mit Emotionen aufladen kann.

Von welcher Seite kommt die Angst?

Genau wie die Kollegen von KONTROLLE aus Solingen, haben PHILEAS FOGG Synthies mit an Bord, das wertet den Sound auf und bringt abseits vom Standarddreieck Gitarre-Bass-Drums angenehme Abwechslung. Im lange mit den Füßen scharrenden “Tag” widmen sich PHILEAS FOGG Verschwörungstheoretikern oder genauer gesagt denen, die eh schon immer alles vorher wissen. Grund genug Tempo und Stimme zu erhöhen, auch das haben die drei Musiker gut im Griff. Selbst wenn die Review von “Kopf, unten” eher nach einem dunkel schwarzen Moll-Erlebnis klingt, so sind PHILEAS FOGG ganz sicher nicht depressiv motivierend. “Kopf, unten” ist ein abwechslungsreiches Album von einer quasi fertigen Band, der man nicht viel vom Musikmachen erzählen muss. Das ist weitaus mehr, als man von einem Debüt erwarten darf und ganz hoffentlich keine einmalige Sache!

Dauer: 27:26
Label: Disentertainment / Broken Silence
VÖ: 15.11.2019

Tracklist “Kopf, unten” von PHILEAS FOGG
Pauschal
Nacht
Leistung
Tag
Reise
Geister
Affen
Tanzen

PHILEAS FOGG bei Facebook

Alben, die Dir auch gefallen könnten:
MAFFAI – Zen
SCHUBSEN – Stühle rücken in Formation
BRAUNKOHLEBAGGER – Abbruch (EP)
KAPTAIN KAIZEN – Alles und Nichts

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.