Angora Club Hasenangst

Angora Club – Hasenangst – Review

Die Flensburger Punkband ANGORA CLUB legt mit ihrem Album “Hasenangst” den ersten Wurf über Kidnap Records vor. Es gilt also zu klären: Was gibt es im Club und wollen wir da rein? Lässt man sich vom niedlichen Artwork leiten, läuft man direkt in die Falle. Gute Laune ist bei ANGORA CLUB nämlich eher Mangelware, die Band beschäftigt sich sehr detailliert – und meist am Beispiel von Einzelschicksalen – mit Scheitern und Verzweifeln. Es gibt wenige Anker, um sich an Land zu retten, als Ausgleich aber treibenden Punkrock im Sinne der üblichen Verdächtigen. In den Club kommt also nur, wer schon entsprechend fertig im Kopf ist. Der Eintritt sind bittere Erfahrungen, für alle anderen wirkt die gute halbe Stunde eher ernüchternd.

ANGORA CLUB, 2020 Foto von Chris Blumbaker

Rein in den Club, ja oder nein?

Mit “Johannes a.D.” brechen ANGORA CLUB im wahrsten Sinne des Wortes über uns herein. Mit beiden Beinen in der Tür, brüllt uns Sänger Olli seinen Frust entgegen. Das hitzige Stop-and-Go ist SzenekennerInnen bekannt, man verbindet sich sofort damit und fühlt sich vertraut (“Erika.Alt.Ent.”). Beim Scheitern gibt es (meistens) keine Gewinner und auch ANGORA CLUB verzichten auf “Hasenangst” auf echt Spitzen oder sogar alles überstrahlende Hits. Das Album wirkt am besten ganzheitlich, selbst wenn man das wuchtige “Minusmann” als besonders packend und leicht zugänglich empfindet.

Weiter runter geht es immer…

“Peter Pan” überrascht dann aber mit einem Hauch Post-Punk und sogar einem klitzekleinen Bass-Ska-Moment, wirkt luftiger und schon fast offensiv motivierend, im Vergleich mit dem Rest. ANGORA CLUB werden nicht nur in diesem Song inhaltlich sehr genau, was sich für einige Betroffene triggernd wirken können. Und in “Toter Winkel” legen ANGORA CLUB die Spur zu ihrer Hasen-Affinität, zackige Songs wie dieser empfehlen sich für ekstatisches Geschubse im kleinen Club. Generell können ANGORA CLUB sehr gut mit Dynamik umgehen, lassen die Zügel ganz unabhängig vom Tempo immer straff gespannt.

Im Norden nix Neues, gut so

Die kompositorischen Querverweise zu Bands wie TURBOSTAAT, KMPFSPRT, KITT WOLKENFLITZER und FREIBURG sind nicht von der Hand zu weisen und auch nicht schlimm, aber noch fehlt es ANGORA CLUB an tatsächlichen eigenen Alleinstellungsmerkmalen. ANGORA CLUB wirken authentisch und “Hasenangst” legt schön fies alle zehn Fingerchen in die Wunden, das tut weh. Und ganz ehrlich, ihr wollt das doch auch.

Dauer: 31:13
Label: Kidnap Records
VÖ: 15.05.2020

Tracklist “Hasenangst” von ANGORA CLUB
Johannes a.D.
Nasser Hund
Peter Pan
Toter Winkel
Hobbyraum
Leguan
Blei
Untergang
Minusmann
Erika.Alt.Ent.
Schatten
Utopia

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