Counterparts - Wings of Nightmares Single Artwork

Counterparts – Nothing Left To Love – Review

Man kann dem Sänger Brendan Murphy ganz sicher nicht zu wenig Engagement vorwerfen. Wer die kanadische Hardcoreband COUNTERPARTS schon mal live erleben durfte, weiß, dass er wie ein wildes Tier im Käfig mit Schaum vorm Mund beinahe ununterbrochen von Bühnenrand zu Bühnenrand poltert und wirklich jeden Funken seiner Energie aktiviert. Auch auf den Alben wird seine geballte Power immer gut eingefangen und in Kombination mit den hakeligen und wirklich nicht konventionellen Fingerübungen seiner Kollegen, führt es immer dazu, dass man sich durch jedes neue Album regelrecht wühlen muss. Die gute Qualität springt dem Hörer schon nach wenigen Durchläufen ins Gesicht, da macht auch das neue Album “Nothing Left To Love” keinen Unterschied. Um aber wirklich bis zum Kern der Kompositionen und zur wahren Tiefgründigkeit der Texte durchzusteigen, dauert es immer etwas.

Counterparts-Bandfoto-2019
Counterparts, 2019

Gute Laune abgesagt

Schon der Opener “Love Me” fühlt sich an, als ob man die Tür zu einem abgedunkelten Zimmer aufstößt und dort eine verzweifelte Person in Kauerstellung auf dem Boden liegend findet. Die Atmosphäre auf “Nothing Left To Love” ist dunkelschwarz, wenn auch immer wieder durchbrochen von aufmunternden Melodieschleifen, die aber von Stakkatoriffing meistens wieder in die Ecken getrieben werden. Achtet man auf die wirklich massiv depressiven Texte von COUNTERPARTS, dann wirken die leicht euphoriserenden Momente schon fast zynisch. Davon gibt es aber doch einige auf “Nothing Left To Love”, auch wenn sie eher kurz standhalten. Das aufklarende post-rockige Ende von “Cherished” wirkt gleichermaßen wie der letzte Akt vor der Ergebung und wie ein letzter Hoffnungsschimmer. Auch der Albumtitel ist zweideutig zu verstehen. Kann jemand keine Liebe empfinden oder findet sich jemand nicht liebenswert?

Von allem viel

Hetzjagden wie das treibende “Oceans Of Another”, “Your Own Knife” oder das von Tönen zerstochene “The Hands That Used to Hold Me” fühlen sich auf jeden Fall wie Fluchten ohne Ziel an, dieses fiese Einkesseln ist eine riesige Stärke von COUNTERPARTS. “Seperate Wounds” ist ein gutes Beispiel für die Überfrachtung, die COUNTERPARTS teilweise veranstalten. Alleine die Instrumentierung ist überwältigend, dann noch die Struktur zu durchdringen und vage zu erfassen, was Murphy uns mit Hochdruck ins Ohr brüllt … leichte Kost geht anders. Da ändert auch der durchaus fluffige Refrain erstmal nichts. Dabei kann Murphy auch ganz anders, wie er auf seinem Gastbeitrag zum Song “Kickback” der Hardcoreband STRAY FROM THE PATH auf deren aktuellen Album “Internal Atomics” bewiesen hat. Aber COUNTERPARTS sind immer etwas spezieller.

Auf der Suche nach der Liebe

Bei COUNTERPARTS macht kein Bandmitglied halbe Sachen, besonders positiv fällt mir aber Drummer Kyle Brownlee auf. Er stößt die Hörer in die nächste Grube, lässt sie hektisch tänzeln, im Kreis sprinten oder mit Anlauf gegen die nächste Wand brettern. Die Aufgabe, den Takt anzugeben, erfüllt er wirklich vorbildlich. “Nothing Left To Love” ist sicher kein Gute-Laune-Album, soll es auch nicht sein. Wenn Murphy das Album mit milchschaumsanftem Gesang abgeschließt, fühlt man sich wie nach einer ausgiebigen Heulattacke. Erschöpft, weiterhin traurig, aber auch irgendwie befreit. Am Ende ist “Nothing Left To Love” dann doch sehr aktivierend. COUNTERPARTS haben sich mit ihrem aktuellen Level abgefunden, viel weiter kann man diese Band nach 12 Jahren nicht mehr führen. Sie beschäftigen sich jetzt damit, ihre Formel zu optimieren. Um das wahre Ergebnis im Detail zu erkennen, braucht man Zeit, es lohnt sich aber.

Dauer: 32:34
Label: Pure Noise Records / Soulfood
VÖ: 01.11.2019

Tracklist “Nothing Left To Love” von COUNTERPARTS
Love Me
Wings of Nightmares
Paradise and Plague
The Hands That Used to Hold Me
Separate Wounds
Your Own Knife
Cherished
Imprints
Ocean of Another
Nothing Left to Love

COUNTERPARTS bei Facebook

Wenn euch COUNTERPARTS mit ihren ausladenden und unvorhersehbaren Melodien gefallen, dann könnten euch auch LYSISTRATA begeistern, die Review zu “Breathe In/Out” findet ihr hier. Die Schweizer von KALA schlagen auf ihren EP “Synthesis” ebenfalls ähnliche Töne an, die Review findet ihr hier.

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