Scherben Bandfoto 2019

Scherben – Interview zur “s/t” EP

SCHERBEN sind eine frische Punkband, die kompromisslos nach vorne zockt und nun über Kidnap Records ihre “s/t” EP veröffentlicht hat. Gitarrist Felix und Sänger Marlon beantworteten stellvertretend für die Band einige Frage zu ihrer Musik, den Texten und zu Punk an und für sich.

Wer ist bei SCHERBEN dabei und wie kam die Band zusammen?

Felix: SCHERBEN sind 4 Menschen, die aus Düsseldorf, Düsseldorf, Köln und Krefeld kommen und die Ende 2017 eine gemeinsame Band gegründet haben. Die Band hat schon vorher mit immer wechselnden Sängern existiert und war fast aussschließlich nur im Proberaum. Ich und unser Sänger Marlon haben vorher zusammen bei INCOMING LEERGUT beide als Gitarristen gespielt, bis die Band erstmal auf Eis gelegt wurde. So kam eins zum anderen und Marlon hat von da an die Gitarre weggelegt und musste singen.

Wie sieht es aus in Krefeld, gibt es dort viele Möglichkeiten, um musikalisch kreativ zu sein und Konzerte zu besuchen?

Marlon: Krefeld ist ein absolutes Loch was das angeht! Großer Vorteil – zwei große Weltkriegsbunker, die als Proberäume genutzt werden gibt es hier, auf Konzerte fährt man eher nach Düsseldorf, Köln, Mülheim sonstwo. In Krefeld bleibt man nur für stabile Kneipenbierpreise.

“s/t” von SCHERBEN

Ist der Bandname SCHERBEN für euch positiv oder negativ besetzt?

Marlon: Es gab keine Hintergedanken bei der Namensfindung

Die Wohnung wird im Song “Schützengraben“ zum Synonym für Sicherheit in der Anonymität. Kennt ihr Leute in eurem Umfeld, bei denen das so ist oder seid ihr selbst so?

Marlon: Ich glaube, dass die Wohnung für jeden Menschen ein safe space und Rückzugsort ist, so sehe ich das zumindestens für mich. In dem Lied geht es viel mehr um eine Person die sich selbst so weit aus der Gesellschaft ausgegliedert hat, dass sie keine andere Wahl mehr hat, als die Wohnung nicht zu verlassen.

Eure Texte sind direkt formuliert, gehen komplett nach vorne… ist genau das eure Definition von Punk? Oder seid ihr offen gegenüber anderen Punkarten, die eventuell etwas weinerlicher, verkopfter oder verschwurbelter sind?

Marlon: Ich kann natürlich sehr viel Freude an weinerlichen verkopften Sachen haben, da muss sogar nicht unbedingt Punk sein. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, selbst etwas nach außen zu tragen, dann klingt das halt so wie es bei SCHERBEN klingt. Für mich war das auch immer ein Teil von Punk der mich gereizt hat, immer schön nach vorne.

SCHERBEN, während der Tour mit PASCOW im April 2019

Der Song “Kleingeld” klingt zwar erst so, ist aber keine wirkliche Ode ans Saufen, sondern auch kritisch gemeint?

Felix: Das ist korrekt.

“Die Sache mit der Selbstoptimierung” wendet sich eben genau an gegen diese. Was meint ihr damit, bezieht sich das auf Social-Media-Bildbearbeitung oder wirklich ständiges in Fitnessstudio-Gerenne?

Felix: Also so war das Lied ja eigentlich angedacht, als aufzeigender Widerspruch. Auf der obersten Ebene steht halt die Ablehnung gegen Selbstoptimierung, der eine ganze Gesellschaft verfallen ist. Jeder muss jetzt Sport machen, jeder muss sich jetzt richtig geil ernähren, jeder muss… eigentlich erstmal gar nix.

Es geht ja auch nicht um Sport machen an sich, sondern nur die Glorifizierung von Selbstoptimierung. Zugegeben ist der Text auch ziemlich stumpf, aber er entstand, weil ein guter Freund so komplett in diese Richtung abgedriftet ist und mir mit seinem “SPORT, SPORT SPORT” richtig auf den Piss ging. Naja, jetzt hab ich Rückenschmerzen bekommen und muss notgedrungen auch mit der Scheiße anfangen… also vonwegen “Ich bin faul und häng’ rum”

“Alter Punk” spricht mich sehr an. Punk sein war ja eigentlich auch nicht für’s Alt sein gedacht, oder?

Felix: Alle dachten sie sterben spätestens mit Mitte 40 à la Sid Vicious. Aber wie die Gegenwart zeigt , ist der Wunsch nicht eingetreten und es haben sich einige auch noch ziemlich gut gehalten.

Marlon: Vielleicht brüllen die Punks heute deshalb nicht mehr ‘no future’ und studieren stattdessen lieber? So sehr sich in der Punkszene auch Antiautorität gebaren mag, es gibt einige Menschen, die denken, weil sie schon immer da waren, jetzt das Sagen zu haben und über allem zu stehen. Jeder kennt jemanden, auf den das genau passt. Das war auch eine Erfahrung, die ich als Jungpunk gemacht habe und schon damals unfassbar peinlich fand. Per se geht das Lied aber nicht gegen Altpunx an sich, auch wenn ich es spaßig finde, wenn diese sich bei Konzerten wegen diesem Lied auf den Schlips getreten fühlen (lacht).

Was ist bei euch in naher Zukunft geplant?

Felix: Dieses Jahr wird hoffentlich die Split 7″mit den Freunden von KOTWORT noch fertig.

Wie seid ihr zu Kidnap Records gekommen?


Felix: Durch befreundete Bands – Max und Kay von BLUT HIRN SCHRANKE und Andy von SNIFFING GLUE- und Leute aus dem Umfeld, die uns live gesehen haben und dann mit Kidnap Redords geredet haben. Die haben sich darauf unsere Musik angehört und mit uns Kontakt aufgenommen.

Marlon: Kam für uns auch überraschend.

Das Label veröffentlicht jetzt eure EP nochmals und generiert euch eine größere Reichweite?

Marlon: Reichweite ist jetzt nicht das was wir anstreben, sondern weiterhin ab und an mal Konzerte spielen mit Bands, die wir im besten Fall auch geil finden. Für Reichweite bräuchten wir auch Social-Media-Aktivität, dafür sind wir aber zu faul und nicht anbiedernd genug (lacht).

Ihr habt PASCOW auch auf deren Tour begleitet, wie war das so?

Felix: München zusammen mit Pascow war ein Riesending. Die ganze Band und die Leute, die Mercher und so weiter, sind verdammt coole und nette Leute. Nochmal 1.000 Bussis an euch PASCOW. Ansonsten sind wir ja eher nicht so die Band, die auf einer Riesenbühne spielt, auf der man sich verlaufe kann. Trotzdem mega stark, dass wir das mal erleben durften.

Marlon: Persönlich finde ich Eventhallen und große Bühnen scheiße, aber, wenn ich das jemanden gönne, dann auf jeden Fall den Jungs von PASCOW – und die haben abgeliefert, ey! War auf jeden Fall mal eine Erfahrung, aber vorzugsweise würde ich weiterhin in den Assel-AZ´s spielen, auch wenn es da nur “Reis mit Scheiß” gibt, statt Catering vom Koch.

Wie stimmt ihr euch ein, wenn ihr Songs macht oder Konzerte spielt?

Felix: Wir stimmen uns dabei nicht ein, sondern passen eher auf, dass wir uns nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Auf Konzerten haben wir eigentlich auch keine “Zeremonie”. Wir machen Punk, also gehen wir auf die Bühne und machen Punk…

Marlon: Songs schreiben ist so ne Sache… Das entsteht eher nebenbei bei einer Probe, und da wir nicht so oft proben….

Die Band wird in den nächsten Woche auf Tour sein. Kommt mal rum und überzeugt euch davon, dass sie Musik machen besser können, als Social Media. Und darauf kommt es letztendlich an.

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Review zu “s/t” von SCHERBEN

SCHERBEN-Tourdaten 2019, Stand 27.05.2019

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