Reiz Das Kind wird ein Erfolg

Reiz – Das Kind wird ein Erfolg – Review

Die Mannheimer Punkers von REIZ (Monnem!) knüpfen mit ihrem zweiten Album „Das Kind wird ein Erfolg“ nahtlos an ihr Debüt an. Lässig geschrammelte und größtenteils stark zu Garage-Rock tendierende Gute-Laune-Songs, die nach Pisse riechen und Dosenbier schmecken.

Früher waren wir alle voll asi

REIZ sind eher was für die grobe Polonaise und irgendwie hat ihr Sound was von gut gemachtem Karneval. Zu „Prototyp“ kann man sich herrlich mit der Kaltschale im Kreis drehen, auch ohne nachzudenken. Der Bass grätscht oft schön dazwischen und das Ding rollt etwas überdreht, aber massiv ansteckend. „Gentrifizierung“ ist nicht der einzige Song mit Spuren von Surf-Punk, generell überraschen REIZ hier und da mit auffällig guten, handwerklichen Aktionen. Exquisites Geklimper in „Parakrieg“, sowas mag auf den ersten Blick nicht bahnbrechend sein, wertet aber das Album extrem auf.

Schrammel Schrammel mit Hirn

Musikalisch ist also alles top, obendrauf kommen noch die smarten Texte. Zwischen Pogo und Schrammel Schrammel, bieten REIZ aber auch klug formulierte Gesellschaftskritik. Kritik an sozialen Schiefständen, Gefallsucht im Internet und auch im richtigen Leben. Dabei knallen uns REIZ manchmal so deftig vor den Latz, dass man sich nicht immer sofort sicher ist, alles richtig verstanden zu haben.

Reizend diese REIZ

REIZ sind etwas launiger, als ihre Kollegen von TOT und erinnern mich an Truppen wie ROCK’N’ROLL KLUB SCHMÖKE. Die Band spielt einen Sound, der meiner Meinung nach im Punk viel zu unterrepräsentiert ist. Wenn REIZ dann im herrlich disharmonischen „Vergessen“ das Tempo drosseln, sogar etwas melancholisch werden und sich mit der Vergänglichkeit an und für sich beschäftigen, kommt sogar sowas wie Sentimentalität auf. Das Ende der Fahnenstange ist also bei REIZ noch nicht erreicht.

Dauer: 20: 51
Label: Spastic Fantastic
VÖ: 12.06.2020

Tracklist „Das Kind wird ein Erfolg“ von REIZ
Das Kind wird ein Erfolg
Gefahr im Verzug
Gentrifizierung
Parakrieg
Prototyp
Irgendwas läuft falsch
Vergessen
Öffentlich und daheim
Micha

Alben, die euch interessieren könnten:
Interview mit AKNE KID JOE zu „4 von 5“ Teil 1
TOT – Lieder vom Glück
CATCH AS CATCH CAN – Rational Anthems
ZYMT – Das Privileg der Misanthropie
TOT – Ferien
GOLDZILLA – Goldzilla vs. Dortmund
RAUCHEN – Nein
ANNA ABSOLUT – 2×3
MESSER – No Future Days
DIE ARBEIT – Material
SCHARPING – Powerplay
DESOLAT – Onmyōdō
PHILEAS FOGG – Kopf, unten

REIZ bei Facebook

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert