Lest die Review zu "Where's My Utopia" von YARD ACT bei krachfink.de

Yard Act – Where’s My Utopia – Review

Mit ihrem zweiten Album “Where’s My Utopia” knüpfen YARD ACT aus Leeds nahtlos an ihr erfolgreiches Debütalbum “The Overload” an. Die britische Indie-Rockband erweitert ihr Spektrum, allerdings ganz anders als erwartet. Auf der einen Seite geben sie sich unverblümt hitverdächtig, lassen noch mehr Disco in ihren eigentlich eher spröden Sound strahlen. Da scheint jemand gut beraten worden zu sein, von Elton John und Dave Grohl.

Lest die Review zu "Where's My Utopia" von YARD ACT bei krachfink.de
YARD ACT, Foto von PhoebeFox über Oktober Promotion

pay no respect to common intellect

Auf der anderen Seiten bleiben YARD ACT ihrem schwarzen Humor, den sie stets smart pointieren und niemals destruktiv gestalten, treu und setzen auf mehr Interludes und Spoken-word-Passagen. Die Mischung macht es am Ende, YARD scheinen nur handzahmer, beißen aber unterm Strich häufiger und vor allem überraschend zu. Dabei hüpfen sie durch alle Jahrzehnte und meiden kaum ein Genre. Indie, Post-Punk, Soul, Disco, Hip Hop, Samples und so richtig hängt hier nichts zusammen, weil sie es eben können. Die Utopie ist also zerfleddert, wie ein wilder Fiebertraum und an manchen Stellen nicht auf Anhieb nachvollziehbar. Die einzige Konstante scheint James Smith, der in jedem Moment mit seinem akzentuierten und facettenreichen Gesang punktet und auch schwierige Emotionen wie Ironie, Humor oder Sarkasmus mit feinen Nuancen transportierten kann.

Discoampel im Sozialbau

Schon der Opener “An Illusion” macht klar, dass YARD ACT sich auf “Where’s My Utopia” den Abgehängten und Enttäuschten der Gesellschaft widmen. Es sind ihre Geschichten, die erzählt werden und ausgehend von denen planen YARD ACT von der Rückbank aus die Revolution. Die eingangs erwähnte Ambivalenz auf “Where’s My Utopia” von YARD ACT zeigt sich auch im erst auf den zweiten Blick hervorstechenden “Grifters Grief”. Eingebettet in einen chamäleonartigen Sound setzt die Band auf die Trauer des Gauners, der hier als Synonym für die Generationen steht, die den Nachkommen bewusst nur Probleme übrig lassen und sie im nötigen Veränderungsprozess hemmen, solange sie können. Wie aus dem Nichts kommt ein leicht überzogener Kinderchor, flankiert von Bläsern, um sich zu beschweren. What the hell? Man versteht es nicht auf Anhieb, YARD ACT haben aber auch nicht diesen Anspruch.

Do you like being mad?

Man muss sich aber nicht lange mit YARD ACT beschäftigen, um in ihrem mindset zu landen und dann alleine den Titel eines Songs wie “Dream Job” plötzlich absurd und witzig zu finden. Es geht um das tägliche Anbiedern an die mit Macht, wo Überleben endet und Mittäterschaft anfängt:”…we like criminals when criminals are treating us kind.” Manches müssen YARD ACT gar nicht überspitzen, denn diese Dinge passieren genau so. Die Revolte schlägt also um sich, ausschließlich nach oben, versteht sich. Aber auch musikalisch ist “We Make Hits” eine lange Nase an vermeintliche Pop-Größen, die auf ihrem Thron versauern und miese Bezahlsysteme begünstigen.

High five nach unten

Aber eben auch ein High five an diejenigen, die für die Kunst einiges in Kauf nehmen und sich unter Wert verkaufen. Es gibt gerade in England einige Bands, die einander Ausverkauf vorwerfen, wenn wirklich nullkommanull davon die Rede sein kann. Es gibt zahlreiche schräge Momente auf dieser Platte, “Fizzy Fish” wirkt wie ein willenlos zusammengesetzter Flickenteppich aus gelungenen Skizzen, die sich aber vorher nicht abgestimmt hatten. So richtig lässt sich auf Anhieb also nicht sagen, welche Zielgruppe YARD ACT damit erreichen können, dass “Where’s My Utopia” verdammt unterhaltsam ist, steht außer Frage. Alleine schon wegen der vielen Whooow…

Dauer: 43:28
Label: Island Records
VÖ: 01.03.2024

Tracklist “Where Is My Utopia” von YARD ACT
An Illusion
We Make Hits
Down By The Stream
The Undertow
Dream Job
Fizzy Fish
Petroleum
When The Laughter Stops (ft. Katy J Pearson)
Grifter’s Grief
Blackpool Illuminations
A Vineyard for the North

Artikel, die Dich interessieren könnten:
PISSED JEANS – Half Divorced
SOFT PLAY – Heavy Jelly
IEDEREEN – s/t
IDLES – Tangk
SHAME – For For Worms
Gemischte Tüte mit Idles – Interview
CHAT PILE – God’s Country
Interview mit JOHN über das Album “Nocturnal Manoeuvres”
JOHN – Nocturnal Manoeuvres 
CROWS – Silver Tongues
Interview mit Bassist C von FIDDLEHEAD über “Between The Richness”
BEATSTEAKS – In The Presence Of…
LIFE – A Picture Of Good Health
THE SPITFIRES – Life Worth Living
FONTAINES D.C. – A Hero’s Death
HAL JOHNSON – Seasons
FAKE NAMES – s/t
DEFTONES – Ohms
BOB MOULD – Blue Hearts
METZ – Atlas Vending
BILLY NOMATES – s/t
Various Artists – The Problem of Leisure: A Celebration of Andy Gill and Gang of Four
BILLY NOMATES – Emergency Telephone (EP)

YARD ACT bei Facebook
YARD ACT Homepage

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert