cover Amyl and the Sniffers - Comfort To Me

Amyl And The Sniffers – Comfort To Me – Review

Die Frage lautet natürlich: Kann die australische AMYL AND THE SNIFFERS mit ihrem zweiten Album “Comfort To Me” an den Erfolg von ihrem Debüt an… Ja, können sie! Man kann sogar behaupten, dass es noch druckvoller und zugkräftiger ist. Es scheint fast so, als ob das Quartett ihre komplette Power auf diese Scheibe gepresst hätte und in den letzten Monaten hat sich offensichtlich einiges angestaut.

Da wo die Band musikalisch absolut zurück zur Basis geht und aus lautem Rock ‘n’ Roll genau das herausholt, was uns anstachelt, neigen sie inhaltlich zu sympathischem Selbstbewusstsein, ja schon fast zur Selbstüberschätzung. Und auch wenn die Konzerte ein wichtiger Baustein sind, dann sind es unterm Strich auch einfach die Songs, die bei AMYL AND THE SNIFFERS immer verdammt gut gelingen. Das ist so pur, dass man es einfach nur geil finden kann.

I hate it all.

“Knifey” ist einer der wenigen Ausreißer, schon fast wavig nölt sich Sängerin Amy durch den verhältnismäßig trägen Song. Während die anderen Songs auf “Comfort To Me” schon grob rasiert wirken, nehmen sich AMYL AND THE SNIFFERS hier Zeit für luftige Szenen. LIMP BIZKIT sangen in dem Song “Hot Dog”: If I say fuck two more times, that’s forty-six fucks in this fucked up rhyme”. Das toppen AMYL AND THE SNIFFERS locker, die nicht ausgesprochenen Fucks mal nicht mitgezählt.

Wie schon beim Debüt, bleiben besonders die Gitarren, die gerne zum Solo auch mal richtig aufdrehen, sofort im Ohr hängen. Man kann Amy und ihre offensiven Erscheinung viel Gutes bescheinigen, aber letztendlich ist es auch die gute Musik, die die Band trägt. Zuletzt war die Sängerin mit Features bei SLEAFORD MODS und VIAGRA BOYS vertreten und zeigte dort neue Seiten von sich, die sie aber in ihrem eigenen Rahmen ausspart. Hier gibt es nur Punk, ohne Schnörkel.

Einfach, einfach geil.

Den Hit des Jahres liefert die Band mit “Security”. Ein Song, der nicht nur sofort ins Ohr geht, sondern auch verdammt lange dort hängenbleibt. Dickes Sorry jetzt schon an alle Türsteher*innen, die mit diesem charmant-chaotischen Text zum Einlass überredet werden sollen. Volltrunken versteht sich. Auch im nüchternen Zustand wurde dieser Gassenhauser täglich mehrfach durch die heimischen Hallen geblökt, euch wird es mit Sicherheit nicht anders gehen. Und auch der Aufruf “Freaks To The Front” ist mit Sicherheit ernst gemeint und wird live entfesselnd wirken.

AMYL AND THE SNIFFERS sind also, frei nach WIR SIND HELDEN, gekommen, um zu bleiben. Schön, jetzt fehlt eigentlich nur noch das ungehemmte Liveerlebnis und somit eine gelungene Zeitreise oder besser gesagt Wiederbelebung der guten, alten Zeit, in der man zu Punkrock sofort und komplett steil gehen konnte. Dass sich in dieser Review keine hochtrabenden, musikalischen Beschreibungen der Feinheiten befinden, liegt nicht daran, dass es keine gibt. Aber man liebt diese Band nicht, weil das Pedal so geil klingt oder weil Amy so derbe phrasiert. Sondern, weil es einfach, einfach geil ist.

Dauer: 35:05
Label: Rough Trade Records
VÖ: 10.09.2021

Tracklist “Comfort To Me” von AMYL AND THE SNIFFERS
Guided By Angels
Freaks to the Front
Choices
Security
Hertz
No More Tears
Maggot
Capital
Don’t Fence Me In
Knifey
Don’t Need A Cunt (Like You To Love Me)
Laughing
Snakes

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