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Employed To Serve – Conquering – Review

Ganz mühelos und als ob es genauso geplant gewesen wäre, machen EMPLOYED TO SERVE mit ihrem neuen “Conquering” den nächsten Schritt. Ein wichtiger Schritt, der nochmals eindrucksvoll unterstreicht, welches inhaltliches und musikalisches Potenzial in dieser modernen Metalband steckt. Sängerin Justine Jones und Gitarrist und Sänger Sammy Urwin spielen sich die Bälle im Squashtempo zu. Es wird guttural gepoltert, spitz geschrien und wütend im Brachialchor skandiert, immer genau passend und maximal anstachelnd.

Technisch auf Höchstniveau offerieren uns die Briten eine kompositorische Achterbahnfahrt. Die Höhen und Tiefen beziehen sich allerdings nicht auf die Qualität. Die ist zweifelsohne überragend und die Metapher zielt eher auf die Kurven, bauchkribbelnerzeugenden Abfahrten und das Gefühl dem Treiben komplett ausgeliefert zu sein ab. EMPLOYED TO SERVE haben sich die Ansätze ihrer Lieblingsmusik gekrallt und diese komplett radikalisiert und in ihr ureigenes, neues Soundbild gegossen.

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EMPLOYED TO SERVE 2021, Foto von Andy Ford

Handwerklich perfekt gespielte Wut

Moderne und traditionelle Metalstrukturen prallen also auf “Conquering” mit voller Wucht aufeinander, irgendwie war klar, dass EMPLOYED TO SERVE das (an)packen. Virtueller Extraapplaus geht zuerst an Drummer Casey McHale, der alles festnagelt, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Jeder Punch macht sich bei den Hörer*innen fast körperlich bemerkbar, was natürlich letztendlich auch der Produktion zu verdanken ist. Der Einstieg in das Album scheint harmonisch, doch der Schein trügt. Eine erbauliche Gitarrenmelodie, die eher an SYLOSIS erinnert und von Streichern begleitet wird, wird von einer wahren Drumsekstase förmlich in den Abgrund gerissen.

Die Band bestimmt die Richtung

Rein emotional ist “Universal Chokehold” ein reines Stöckchen hinhalten und wegziehen. Wenn die großen Gefühle im Raum stehen, walzt die Band alles platt, nur um sich wieder freizustrampeln und Hoffnung zu vermitteln. Willkommen im Leben! Bei “Twist The Blade” ist der Songtitel Programm. EMPLOYED TO SERVE jagen uns im Zickzack, bewaffnet mit SLAYEResken Gitarrenschüssen und einer massiven Hardcoregrundstabilität, die aber mit dem Groove von Nu Metal rangelt. Das ist alles stark infektiös und für manche eventuell auf den ersten Durchlauf auch etwas zu viel. Justine brüllt wie ein Berserkerin, während Sammy im Vordergrund noch einen, eigentlich, harmonischen Refrain platziert.

We don’t need you

Auch “Sun Up To Sun Down” macht die Synapsen schlichtweg ganz kirre. Schon fast Black-Metal-artige Riffgebirge türmen sich auf, während EMPLOYED TO SERVE einem frefliegenden Schwarm ähnelnde Tonangriffe vornehmen und der Rhythmus aus wild hakelnden Überlagerungen entsteht. Das ist schon viel, für die Nerven und für Durchschnittshörer*innen. Dem gegenüber stehen aber viele schon fast poppige Szenen (“Set In Stone”, “Mark Of The Grave”), die sich sofort im Ohrwurmzentrum festhaken und “Conquering” letztendlich zugänglich machen.

Gegen den Strich

Wobei die Songs natürlich niemals im Formatradio landen werden, sollen und wollen sie aber auch nicht. Und die bereits erwähnten, traditionellen Strukturen finden sich dann beispielsweise am Anfang von “We Don’t Need You” oder “World Ender”. Das ist purer Thrash-Metal im Stile von METALLICA oder KREATOR, einfach nur extrem grob gegen den Strich gebürstet und mit maximaler Wutkraft ausgestattet.

Das kollektiv gegrölte “We don’t need you” steht sinnbildlich für die eigene Ecke, die sich EMPLOYED TO SERVE mit diesem Album geschaffen haben. Obwohl man von EMPLOYED TO SERVE viel erwartet hat, ist “Conquering” doch noch stärker geworden. Diese perfekte Melange aus Altbekanntem und Neuem, war so nicht absehbar.

Dauer: 47:03
Label: Spinefarm Records
VÖ: 17.09.2021

Tracklist zu “Conquering” von EMPLOYED TO SERVE
Universal Chokehold
Exist
Twist the Blade
Sun Up To Sun Down
The Mistake
We Don’t Need You
Set in Stone
Mark of the Grave
World Ender
The Conquering

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