Heads-Push-Artwork

Heads. – Push – Review

Während das Debüt der Berliner Noise-Punkband HEADS. noch einen Hauch Luftigkeit und Hoffnung in sich trug, ist “Push” deutlich mehr von Hoffnungslosigkeit geprägt. Das Album durchlebt in knapp 35 Minuten eine Katharsis, die letztendlich doch schlecht ausgeht und nur aufgrund der darin enthaltenen Hoffnungsschimmer immer wieder durchlaufen werden möchte. Das Konzept des Albums ist offensichtlich die Gewissheit, das Böse akzeptieren zu müssen, da es die Voraussetzung für das Gute ist.

HEADS. , 2020 Foto von Basti Grim

Unter ständiger Anspannung

Sänger Ed Fraser ist eigentlich die Bank von HEADS., sein sonorer Gesang vermittelt Unheil und Zuversicht in einem Satz. Er verfügt über die Standfestigkeit, die es benötigt, um dem ewig knurrenden und prügelnden Fundament aus Bass und Drums gegenüberzutreten. Das Gehirn ist angenehm irritiert, wenn in “Weather Beaten” die Gitarren eine Art Daueralarm simulieren und das Trio so erbarmungslos prügelt, dass man den Versuch der Auflockerung im Mittelteil erst gar nicht einsortieren kann. Die erste Single “Push You Out To Sea” klingt da schon etwas zugänglicher. HEADS. nehmen uns auf ein schwankendes Boot mit, das erfolglos versucht dem größten Sturm zu trotzen. Durch das Gefühl sicher von einer Ecke in die andere gestoßen zu werden, transportiert der Song den widersprüchlichen Eindruck von Behaglichkeit.

Ergreifend und frei von jeder Belanglosigkeit

Das fragile “Loyalty” verendet förmlich, Note um Note töten HEADS. den Song. Aber so anschaulich und nachvollziehbar, dass sich die Atmung der HörerInnen zwangsläufig verflacht, nur um das letzte Aufbegehren nicht zu verpassen. Abgesehen von Frasers als positiv dominant zu beschreibendem Gesang, können HEADS. aber auch viele Passagen selbstsicher über einen langen Zeitraum instrumental tragen. “Push” gelangt dadurch lediglich an Tiefe, Längen oder gar Belanglosigkeiten finden in keiner Sekunde statt. Dass die Musik so erlebbar ist, liegt nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit Magnus Lindberg von CULT OF LUNA und Christoph Bartelt von KADAVAR. Das Album “Push” von HEADS. steht unter ständiger, knisternder Spannung, hinter jeder Ecke scheint die große Vernichtung zu lauern. Selbst wenn Fraser im enorm tanzbaren “Nobody Moves And Everybody Talks” ausbricht und schon fast sowas wie zynische, gute Laune über allem zu schweben scheint, bleibt man als aufmerksame HörerIn wachsam.

Es gibt kein Paradies

“Push” von HEADS. wird mindestens genauso oft den Weg in meine Anlage finden, wie das Debüt “Collider”. Die Band komponiert noch bildlicher, als beim ersten Schlag. Die Kompositionen geht ans Eingemachte, fordern die HörerInnen keck heraus und machen Musik wieder körperlich erfahrbar. HEADS. kalibrieren die Sinne, fordern Aufmerksamkeit und hauchen ihren Songs Seele ein. Auch die bösen Geschichten müssen erzählt werden, denn um das Licht zu sehen, muss man immer erst durch den Tunnel. Manchmal auch mehrmals.

Dauer: 35:37
Label: Glitterhouse Records
VÖ: 29.05.2020

Tracklist “PUSH” von HEADS.
Empty Towns
Weather Beaten
Push You Out To Sea
Loyalty
Rusty Sling
Nobody Moves And Everybody Talks
It Was Important
A Swarming Tide
Paradise
As Your Street Gets Deserted

Artikel, die Dich interessieren könnten:
ED FRASER veröffentlicht Video zum Song “Swallow”
Der Quarantänekalender: Tipps und Tricks gegen Lagerkoller – Folge 24 mit HEADS.
LYSISTRATA – The Thread
LINGUA NADA – Djinn
BLACKUP – Club Dorothee
KIRK WINDSTEIN – Dream In Motion
OKKULTOKRATI – La Ilden Lyse
NAPALM DEATH – Logic Ravaged By Brute Force
XIBALBA – Años En Infierno
MANTAR – Grungetown Hooligans II
LONG DISTANCE CALLING – How Do We Want To Live?
AN EVENING WITH KNIVES – Sense Of Gravity

HEADS. bei Facebook

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.