B104 - 2020 Artwork

B104 – 2020 – Review

Die deutsche Punkband B104 kommen mit ihrem ersten Album “2020” um die Ecke. Die Band nach der Autobahn in der Nähe der Heimat zu benennen ist fast so unclever, wie der quasi ungooglebare Albumtitel. Umso schöner, dass die Diskrepanz zwischen mutwilligem Anti-Marketing und der Qualität der Musik so herrlich groß ist. Was die fünf Kerls musikalisch und inhaltlich auf die Beine stellen, ist wirklich bemerkenswert. Musikalisch energetisch drehend wie PASCOW zu ihren wildesten Zeiten und inhaltlich irgendwo zwischen ROGERS, RADIO HAVANNA, KRAFTKLUB und MARATHONMANN parkend, sind B104 schon viel weiter, als die optische Erscheinung vermuten lässt.

B104 haben Fragen und Meinungen

B104 positionieren sich unmissverständlich für Freiheit, für Zusammenhalt und gegen Rassismus (“Nichts zu verlieren”, “Keine offenen Fragen”). Ihre Texte formulieren sie weder auffällig prollig, noch weltfremd poetisch. Zielsicher finden sie ganz einfach verständliche Sätze und die kürzesten Wege um ihre Wut über Stillstand und den Wunsch nach Veränderung zu formulieren. In “Fühl ich mich frei” schwenken B104 ganz selbstverständlich zu einem packenden Oho-Refrain, der absolut nicht kalkuliert wirkt und seinen Zweck – schnelle Verbundenheit zwischen Band und HörerInnen herzustellen – mehr als gerecht wird.

Während man beim ersten Durchgang erst die unverschämte Eingängigkeit der Kompositionen registriert, fallen bei den nächsten Begegnungen kleine Details und einige witzige Wendungen auf. B104 wissen genau, wann ein Keyboard sinnvoll ist und wann nicht. In “1993” und “Meine Stadt” nehmen B104 die Teenage Angst als weiteres Thema auf, das Gefühl von Einsamkeit und der Drang in die große, weite Welt zu wollen. Auch hier sind sie unpathetisch am Werk und kommen erstaunlich einfach zum Punkt.

Das Auge hört mit

Positiv hervorzuheben ist, neben der amtlichen musikalischen Teamleistung, auch der Gesang. Während viele Bands mit den richtigen Idealen leider so singen, als ob sie gerade eine Stange Reval ohne Filter geraucht oder ein Fass Bier ge-ext haben, singen B104 aufgeräumt, klar und locker. B104 sollten unbedingt dran bleiben und sich Hilfe beim Marketing suchen (Selbstbeschreibungen wie “Scharf wie Pfeffer” und “wie Sex, nur lauter” werden dem Album echt nicht gerecht), denn “2020” ist ein wirklich starke Basis, auf die sich mit etwas Feinschliff gut aufbauen lässt.

Dauer: 29:43
Label: Eigenproduktion
VÖ: 05.06.2020

Tracklist “2020” von B104
2020
Panik
Meine Stadt
Nichts zu verlieren
Fühl mich frei
1993
Party schon vorbei
Westwind
Keine offenen Fragen
Fahne weht

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