DRALL-EP-Dort wo das Nirgends endet

Drall – Dort, wo das Nirgends endet (EP) – Review

Die Punkrockband DRALL kommt aus Mecklenburg-Vorpommern und das hört man “Dort, wo das Nirgends endet” in jeder Sekunde an. Der Punk hat leichte Indie-Schlagseite und ist erschreckend ernüchternd, vermittelt aber ein auch irgendwie ein positives Gefühl von Resignation und dem letztendliche Abfinden damit. Das Trio von DRALL erinnert mich sofort an die Band GOLDZILLA, die beiden teilen sich den weichen Kern, den man ihnen und der lauten Vorgehensweise auf Anhieb gar nicht zuschreiben möchte und den präzisen Blick nach innen und außen.

Von welchem damals redest du?

Das tun sie nicht sonderlich asig oder prollig, aber auch nicht so verkopft wie ähnliche Bands. Nein, es ist der krasse Realismus, der DRALL so wuchtig macht. Die Gitarre sendet melancholische Töne ins Vakuum und in den Refrains rücken die Bandmitglieder zusammen und skandieren echt authentisch und gemeinschaftlich heilend. Großartiges Gefrickel ist das gar nicht vonnöten, man glaubt DRALL den Schmerz und die Enttäuschung auch so. Man kann sich darin wiederfinden. In diesem leeren Gefühl, wenn man alles hat und doch nichts fühlt, mehr oder etwas anderes (zurück) möchte. DRALL formulieren das so offen, dass sich Jugendliche genauso wie Erwachsene damit identifizieren können. Ist es Zufall, dass ich “und die Leidenschaft zieht aus” statt “und die Landschaft sieht aus” verstehe?

So richtig fliegen kannst du nicht

Das ist schon weit entfernt von Fun-Punk, eher die dringende Verarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand. DRALL befassen sich mit dem emotionalen und räumlichen Abgehängtsein. Zustände, die sicher nicht ihrem Bundesland vorbehalten sind. Auch in den ach so funky Großstädten verschwinden Menschen in der kompletten Anonymität und fristen ein ereignisloses Leben, ohne Spitzen. “Höchste Zeit” befasst sich mit der Dringlichkeit den Ist-Zustand zu realisieren und sich nicht immer an früher zu klammern oder auf morgen zu hoffen. Dazu nehmen DRALL eine grobe Hardcore-Kante als Stilmittel zur Hilfe. Auch das steht ihnen echt gut. “Dort, wo das Nirgends endet” macht echt Lust auf mehr.

Dauer: 13:25
Label: Eigenproduktion
VÖ: 23.10.2020

Tracklist “Dort, wo das Nirgends endet” von DRALL
Stacheldrath
Schlimmeres
Tanke
Höchste Zeit

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