Bad Religion Age Of Unreason Coverartwork

Bad Religion – Age Of Unreason – Review

Die melodischen Ami-Punker von BAD RELIGION klingen auf “Age Of Unreason”, ihrem mittlerweile 17. Studioalbum, kein bisschen zahnlos und sind inhaltlich relevant wie eh und je. Paradoxerweise werfen die aktuellen Zeiten ziemlich viel Inhalte für BAD RELIGION ab. Alleine Trump liefert Stoff für mindestens fünf weitere Alben. Neu- Drummer Jamie Miller grätscht mit “Chaos From Within” ansprechend flott rein und spätestens dann, wenn der warme, kräftige Gesang von Sänger Greg Graffin den Raum erfüllt, ist es wieder da – das typische BAD RELIGION-Gefühl. Dass sich “Age Of Unreason”, trotz der wirklich sehr langen Bandhistorie, im oberen Drittel ansiedeln darf, liegt aber in erster Linie an der Abwechslung und den vielen Refrain mit starken Widerhaken (“End Of History”, “The Paranoid Style”, “Age Of Unreason”…).

Geschimpft wird immer

Es ist wohl auch der absolut einzigartige Gesang von Griffin, der die meisten für BAD RELIGION begeistern konnte. Dieser Gesang, den man sofort erkennt, der unter vielen anderen heraussticht und den kleinen Hoffnungsschimmer vor sich herträgt. Selbst langsameren Songs wie “Lose You Head” oder “Big Black Dog” gibt er eine ganz eigene Note, hebt sie vom Pop-Rocksong zum inhaltsstarken Protestsong. Flankiert von den Chören seiner Kollegen, liefert die Band wieder zahlreiche Anwärter auf Live-Gänsehaut.

Der englischen Intellektuelle Thomas Paine richtet sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts mit seinem Werk “Zeitalter der Vernunft” gegen organisierte Religion, BAD RELIGION greifen seine Thesen auf und vermengen sie mit aktuellem Zeitgeschehen. Besonders “Candidate” spricht ironisch- zynischen Klartext, widmet sich den populistischen Wahlversprechen, wie man sie auch aktuell anlässlich der Europawahl hier überall lesen kann.

Andererseits beißt die Band mit flotten Songs wie “Faces of Grief”, “Downfall” oder “What Tomorrow Brings” gekonnt und unmissverständlich präzise in die Waden ihrer Kontrahenten. Dabei zeigen sie sich so energiegeladen wie manche Jungspunde beim ersten Album, schon alleine rechtfertigt noch viele Folgealben. Und erfreulicherweise wird häufig vom üblichen BAD-RELIGION-Drumming, das ich manchmal unsagbar langweilig finde – abgewichen. Lobenswert ist auch Gitarrist Brett Gurewitz, der nicht nur einprägsames Riffing einstreut, sondern auch einig gute Soli von der Kette lässt (“Big Black Dog”).

Bei BAD RELIGION bleibt alles, wie es ist

Musikalisch ist “Age Of Unreason” erwartungsgemäß frei von Innovationen, letztendlich sind BAD RELIGION aber auch bisschen wie der Braten von Oma. Ist ganz sicher nicht der Beste in der ganzen Stadt, aber man weiß, was man kriegt und obendrauf gibt es noch dieses heimelige Gefühl und zahlreiche Erinnerungen. Es hat schon etwas Tröstendes, das BAD RELIGION nach vier Jahrzehnten noch immer an unserer Seite sind und die Backe hinhalten. Die letzten Worte der Platte lauten übrigens “what tomorrow brings”… tja, wer weiß das schon.

Für Leute, die…
Ohrwürmer sammeln.

Tracklist “Age Of Unreason” von BAD RELIGION
Chaos From Within
My Sanity
The Paranoid Style
The Approach
Lose Your Head
End Of History
The Age of Unreason
Candidate
Faces of Grief
Old Regime
Big Black Dog
Downfall
Since Now
What Tomorrow Brings

Dauer: 33:26
Label: Epitaph / Indigo
VÖ: 03.05.2019

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