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Interview mit Pippa zur EP “Lifestream”

Die Musikerin PIPPA aus Wien, hat eine ganz eigene musikalische Handschrift. Ohne viel Pathos leben ihre Songs von vertontem Feingefühl, schwanken zwischen Pop und Elektro, mal tanzbar und mal nachdenklich. Zu ihrer neuen EP “Lifestream” hat krachfink.de ihr einige Fragen zu den einzelnen Songs gestellt.

Wie lange hast Du an der EP gearbeitet, von der ersten Idee, bis zum letzten fertigen Ton? Wo hast Du aufgenommen und wer hat Dich dabei unterstützt?

Der Song “Livestream” war der erste, der da war. Der ist schon ziemlich am Anfang der Pandemie entstanden. Dann kamen sukzessive die anderen Songs dazu. Ich würde sagen, es hat alles in allem 1 Jahr gedauert, aber mit langen Pausen dazwischen und einigen Videodrehs. Produziert hat, wie auch schon mein zweites Album “Idiotenparadies”, Hans Wagner. Wir nehmen in seinem Studio, “Solid Art Mastering”, auf.

Hat sich die Bedeutung von Musik für Dich im Laufe der Pandemie und der damit verbundenen Zwangspause verändert? Ist sie eventuell wichtiger oder doch unbedeutender geworden? Wie hast Du Musik “konsumiert”?

Bedeutung von Musik hat sich für mich als Konsumentin nicht verändert, aber als Musikschaffende schon irgendwie, insofern, also es einfach noch mehr Dringlichkeit in mir gab, mich künstlerisch, musikalisch auszudrücken, um all das, was da global gerade passiert ist und nach wie vor passiert, für mich zu ordnen. Musik ist für mich ein wichtiges Sprachrohr. Die dazugehörigen Videos auch, das gehört alles zusammen.

Jeanne D’Arc – bei dir “Jeanne Dark” – war eine mutige Kämpferin, was ist Dir so wichtig, dass Du dafür jederzeit laut werden würdest?

Für die Gleichstellung am Arbeitsmarkt und den Gender Pay Gap. Es ist für mich vollkommen unverständlich, warum wir im Österreich diesbezüglich noch nahezu im 19. Jahrhundert leben. Ja, es hat sich was getan aber das ist einfach zu wenig. Es dürfte nicht mal mehr Thema sein. Es MUSS 100% finanzielle Gleichstellung ohne Wenn und Aber geben.

“Die letzten Tage” definiert nicht so eindeutig, ob es damit die letzten, gerade vergangenen, oder die noch kommenden, letzten Tage gemeint sind. Aber es geht definitiv um Glück und das sinnvolle Nutzen von Zeit. Wie sieht ein perfekt genutzter, glücklicher Tag für Dich aus?

Es geht vor allem auch um Vergänglichkeit und die bittersüße Melancholie, die mit ihr einhergeht. Ein glücklicher Tag ist für mich einer, an dem es mir gelingt, so viel wie möglich im Augenblick zu leben. Ich bin mir so oft selber geistig mindestens einen Schritt voraus. Oder aber hänge Vergangenem nach. Ich meine damit nicht das Erinnern. Erinnern ist sehr wertvoll, finde ich. Aber pessimistisch über vermeintlich Verpasstes zu grübeln, bringt genauso wenig, wie “Akonto”- Sorgenbeziehungsweise ständiges Vorausdenken und Planen. Ich neige leider sehr dazu und auch unter dem Stress, den das mit sich bringt. Manchmal gelingt mir allerdings das pure Wahrnehmen im Augenblick und das hat birgt immer großes Glückspotential in sich.

In Deinem Song “Außenseiterin” singst Du von Spaß, also von einer Person, die wahrscheinlich eher aktiv nicht dazugehören wollte und nicht ausgeschlossen wurde, oder sich damit arrangiert hat. Der Takt wirkt zwar einkesselnd, aber trotzdem locker und fröhlich. Hast Du eine schrullige Angewohnheit parat, die Dich als Außenseiterin erkennbar machen würde?

Mir geht es in dem Lied um das Zelebrieren von Individualität und das Friedenschließen mit den Anteilen in uns, die nicht unbedingt den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Ich glaube, die haben wir alle. Aber manche können die eben besser verstecken als andere. Eine Außenseiterin kann natürlich auch traurig sein, viele bewundern diese Menschen aber auch, siehe Pippi Langstrumpf, um ein literarisches Role Model zu nennen. Wir bewundern sie für ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein, mit dem sie genussvoll gerade nicht dem Massengeschmack entspricht. Ich persönlich war als Kind nie wirklich in eine Gruppe eingebunden und habe darunter schon auch gelitten. Erst heute gelingt es mir, Positives aus dem “anders” sein zu ziehen. Ich habe viele Macken, aber keine, die mich zu einer klassischen Außenseiterin machen würde. Es ist eher ein gewisser Vibe, den ich manchmal spüre, wenn ich zum Beispiel unter vielen Menschen bin. Das kostet mich manchmal sehr viel Kraft, weil ich eigentlich total schüchtern bin. Die Bühne hat mir paradoxerweise sehr geholfen, mein Selbstbewusstsein zu stärken.

Alle Songs auf “Lifestream” haben auch unabhängig von der Pandemie Bestand. Vom Zeitgeist inspiriert und trotzdem nicht eindeutig darauf bezogen, das macht Musik letztendlich zeitlos und aus meiner Sicht wertvoller. Gibt es einen Song, der Dich schon sehr lange begleitet oder eventuell ein Album, das Dir schon lange etwas bedeutet?

Danke, das freut mich sehr zu hören. Ich sehe das genauso. Die Musik, die mir gefällt ist eigentlich immer irgendwie zeitlos und wirkt nachhaltig in mir. Ich tu mir richtig schwer, jetzt einen Song oder ein Album herauszufiltern. Ich höre was ich liebe, immer und immer wieder, auch nach längeren Pausen. Von meinen “alten” Lieblingen wie RADIOHEAD, NIRVANA, den BEATLES, AMANDA PALMER, FIONA APPLE, KATE BUSH und TRACY CHAPMAN über Neuentdeckungen wie SEVDALIZA, BALBINA das erste Album von BILLIE EILISH und noch viele mehr!

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