Lest die Review zu "Year Of The Cat" von STILL TALK bei krachfink.de

Still Talk – Year Of The Cat – Review

Mit ihrem neuen Album „Year Of The Cat“ gelingt der Kölner Pop-Rockband STILL TALK vielleicht die Wiederbelebung eines totgeglaubten Genres, zumindest in Deutschland. Irgendwo zwischen STEVIE NICKS und PRESS CLUB fahren sie ihre Krallen aus und bieten im nächsten Moment sanftes Kraulen an. International absolut konkurrenzfähig, setzt Sängerin Tanja Kührer fein schwingende Melodiebögen auf ein musikalisches Arrangement, das Pop nicht formelhaft, sondern dynamisch präsentiert. Das Artwork erinnert eher an Bands wie TOUCHÉ AMORÉ, von emotional ergriffenem Gebrüll sind STILL TALK aber meilenweit entfernt.

Inhaltliche Tiefe haben die Texte auf jeden Fall, und die Kompositionen ankern äußerst stabil. Es bleibt also etwas hängen, auch abseits des Gesprächs. Komplett unaufdringlich schnurrt und schmettert sich die Band in unsere Herzen – ebenso wie die fluffig treuen Vierbeiner. Katzenfreunde wissen, was gemeint ist.

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STILL TALK 2025, Foto von Gideon Rothmann

Zwischen Nostalgie und Neuanfang

STILL TALK verstecken sich auf „Year Of The Cat“ nicht hinter Geschwindigkeit und galoppieren auch nicht nach vorne. Diese Klarheit macht sie in gewisser Weise angreifbar – kein hektisch gezocktes Riff und kein sich selbst verschluckender Wutgesang. Das Selbstbewusstsein ist durchaus berechtigt, denn alle in der Band beherrschen ihr Handwerk. Im starken „I Speak Your Language“ entflattern Gesang und Gitarren einen herrlich tanzbaren Achtzigerjahre-Wind, der einem lässig über Herz und Haare fährt. Tanja erzählt hier von ihrer Identität als Österreicherin und den damit verbundenen, unbewussten Mechanismen und Emotionen.

Ihre stimmliche Bandbreite ist bemerkenswert; in „World Of Talkcraft“ scheint sie mit sich selbst im Duett zu sein. Ganz ohne befremdliche Seelenspaltung zu erzeugen, kann sie durch ihren Variantenreichtum von melodisch klar zu ruppig und wütend wechseln. Diese Gabe öffnet der Band grundsätzlich sehr viele Türen und sorgt dafür, dass wir erstaunt über klassische Momente, Musical-Fragmente und zahlreiche Genre-Ansätze stolpern.

Starke Stimme, klare Haltung

Facettenreich ist auch die Instrumentalfraktion von STILL TALK – und, was fast noch viel besser ist, komplett befreit von Genregrenzen. Soli, herrlich getappte Momente oder griffige Rhythmen – die Gitarren fahren ihren ganz eigenen Stil. Dementsprechend gelingt es ihnen auch, mit „Ghost“ einen echten Smasher zu erschaffen, nach dem sich KELLY CLARKSON alle Finger lecken würde. Kompositorische Höchstleistung und in einem anderen Jahrhundert ein echter Hitanwärter, mit einem herrlich aufrichtig nach vorne ziehenden Song darüber, wie man sich als Frau fühlt, wenn man die Pille absetzt und mit der hormonellen Umstellung konfrontiert wird.

Flächige Gitarren stürmen im Pakt mit dem Schlagzeug nach vorne und nehmen es mit der startenden Berg- und Talfahrt auf. STILL TALK dampfen damit ein Gefühl so kompakt auf weniger als drei Minuten Musik zusammen, dass sich das Ergebnis wie ein intensiver Schlag anfühlt. Den Grundsätzen des Hardcores folgend, strickt sich die Band hier ganz viel Bewährtes zu etwas Neuem zusammen.

STILL TALK schenken uns ein Album voller Aufbruchsstimmung

„Year Of The Cat“ fühlt sich grundsätzlich so an, als ob jemand seinen Weg gefunden hat. Eine extrem vitale und ansteckende Aufbruchsstimmung wurde hier unauffällig zwischen den Noten versenkt. Für uns heißt das: zurücklehnen und abwarten. Da kommt noch etwas Großes!

Dauer: 36:14
Label: hithome
VÖ: 21.11.2025

Tracklist „Year Of The Cat“ von STILL TALK
YOTC (Intro)
Ghost
When We Were Young
Blacking Out in TKMAXX
Don’t Make Me Feel Like A Lobster
Not Like That
All About Me
Little Lungs
Hard Ache
Year of the Cat (feat. Brond)
I Speak Your Language
World of Talkcraft

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