Vildhjarta Artwork 2021

Vildhjarta – Måsstaden Under Vatten – Review

Die schwedischen Djent-Pioniere von VILDHJARTA kommen mit “Måsstaden Under Vatten” um die Ecke. Ein Album, das ganz sicher als Gesamtwerk verstanden werden muss. Bei dem rhythmisches, kühlen Riff-Drum-Gemisch denkt man mit Sicherheit an alles, aber nicht an eine Möwenstadt unter Wasser, das wäre aber die Übersetzung des Titels. Vor den inneren Augen kämpfen in erster Linie Maschinen gegeneinander, selbst wenn die organischen, harmonischen Parts gegensteuern, dann steht die stoische Rhythmusarbeit unverrückbar über allem.

In manchen Momenten überwiegt die Harmonie aber kurz, darf den Song sogar beenden ( “kaos”), wird aber bei der nächstbesten Gelegenheit entmachtet zu Boden gerifft. Das Konzept von “Måsstaden Under Vatten” ist kräftezehrend und dringend angewiesen auf die kleinen Momente, in denen Chöre der Musik etwas Menschliches verleihen und uns nicht vollends emotional ausbluten lassen. Achtzig Minuten sind schon hart und bei aller Vehemenz, komponieren VILDHJARTA doch vollkommen bewusst abweisend und wenig variantenreich.

VILDHJARTA, 2021

Kampf unter Wasser

“brännmärkt” wirkt mit seinem fluffigen Einstieg beinahe freundlich, doch VILDHJARTA zerreißen die Atmo nach wenigen Sekunden in der Luft. Die Gitarren werden schnell uninteressant, deshalb ist es gut, dass die Drums von Buster Odeholm und der Bass von Vilhelm Bladin Marken setzen und die Songs angemessen im Hintergrund in sich verdrehen und trickreich wandeln. Das technische Level ist gewohnt hoch, für alles was dem entgegengesetzt wird und den Aufstand der Unterdrückten und somit die Menschheit symbolisierend, ziehen VILDHJARTA Samples heran.

Unterm Strich wirkt “Måsstaden Under Vatten” sehr bedrückend, manches Mal möchte man den Song antreiben, um angemessen eskalieren zu können und manche Songverläufe erschließen sich einfach nicht, laufen im bedrohlichen Loop aus, sodass sich das Ende nachträglich als Anfang vom nächsten Song entpuppt. Wie eingangs erwähnt, das Album hängt zusammen. Irgendwann kommen wir bei “den helige anden (under vatten)” an und erwarten eine etwas erhabenere Stimmung. Aber irgendwie ziehen VILDHJARTA den gleichen Schuh immer und immer wieder durch. Was sich verändert, sind die Anteile der laut-leise-Dynamik und die Titel. Auch die Unterteilung in zwei Parts ist, rein kompositorisch, nicht auf Anhieb nachvollziehbar.

Technik gegen Harmonie

Irgendwie beschleicht mich die Vermutung, dass ich “Måsstaden Under Vatten” von VILDHJARTA noch nicht so ganz verstanden habe. Wenn die Bands manchmal extrem abbremst und uns akzentuiert ins Nichts riffen will und die Tristesse bis auf Anschlag zieht, ist das sicherlich reizvoll. Aber so richtig packend eben doch nicht, weil das wahre Finale fehlt. Es gibt Songs wie “passage noir”, bei dem uns die Drums tänzelnd anzählen und tatsächlich in einen dunklen Gang schicken. Hier stolpern wir dann durch, eingezwängt von Gebrüll, angstgetrieben von disharmonischen Synthies und in den Arsch getreten von den Gitarren.

Das ist klaustrophobisch und funktioniert sehr gut, vor allem weil VILDHJARTA zwischendurch immer wieder symbolisch einen Notausgang zeigen und die Stimmung mithilfe eines akustischen Gitarreneinschubs hochziehen. Auch hier sind es die folkloristischen Chöre, die den besten Punkt machen, indem sie dem erbarmungslosen Tech-Takt die Stirn bieten. “Måsstaden Under Vatten” ist mit Sicherheit kein Album, dass ich jemandem zeigen würde, um exemplarisch Djent zu verdeutlichen. Da würde ich eher die Klassiker PERIPHERY, MESHUGGAH und als Geheimtipp HAUNTED SHORES empfehlen.

Dauer: 1:20:19
Label: Century Media
VÖ: 15.10.2021

Tracklist “Måsstaden Under Vatten” von VILDHJARTA
PT.1
lavender haze
när de du älksar kommer tillbraka från de döda
kaos2
toxin
brännmärkt
den heilien anden (under vatten)
passage noir
måssstadens nationalsång (under vatten)
heartsmear
PT.2
vagabond
mitt tröttja hjarta
detta drömmars sköte en slöja till ormar näste
phantom assasin
sunset sunrise
sunset sunrise sunset sunrise
penny royal poison
paaradiso

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