Dinosaur Jr Sweep It Into Space

Dinosaur Jr. – Sweep It Into Space – Review

Wenn Legenden wie DINOSAUR JR. ein Album veröffentlichen, dann greift man als Fan*in zu, oder? Mit “Sweep It Into Space” legt das Trio nun das fünfte Album nach der Auflösung und das 13. generell vor, ursprünglich gründete sich die Indie-Rockband 1984. DINOSAUR JR. gehören zu den wenigen Bands, die man sofort erkennt. Zum einen am rauchigen Gesang von J Mascis und natürlich auch an den besonderen Melodien, für die er als Gitarrist auch mitverantwortlich ist. Es ist allerdings nicht so, dass die Stärken der Band auch Unwissende sofort anspringen.

Während die einen sich bei jeder neuen Platte sofort in nostalgischen Erinnerungen suhlen können, werden von der Band nicht geprägte Menschen wohl erstmal nur einen etwas wirren Melodiebrei hören, der irgendwie abgedeckelt erscheint. Und was will dieser krächzende Mann, der da so seltsame Akzente setzt, die irgendwie gar nicht zur Musik zu passen scheinen?

Vertraut und unbestreitbar gute Kompositionen

DINOSAUR JR. laufen mit “I Ain’t” schon fast spaßbereit und sehr vertraut ein. So wie wenn Opa auf der Familienfeier die Tanzfläche entert, bisschen wackelig auf den Beinen, aber verschmitzt grinsend und man sieht den Schalk in seinen Augen blitzen. Aber unabhängig davon, ob man Anhänger*in von DINOSAUR JR. ist oder nicht, die Qualität der Kompositionen ist unbestreitbar. Man braucht zwar einige Durchläufe, um zu den Feinheiten durchzudringen und sich durch den angenehm melancholischen Nebel zu kämpfen, aber auch das gehört zum Erlebnis dazu.

Dann werden aber auch die Stärken von Drummer Murph hörbar, nüchtern betrachtet, ist der richtig aktiv und kreativ (“Walking To You”, “I Met The Stones”) und eigentlich die größte Stütze. Dabei könnte man es sich leicht machen, als Taktschwinger von DINOSAUR JR., hinter jeder Ecke lauert ein Gitarrenporn und die Refrains fräsen sich langsam aber sicher bei jeder Begegnung etwas tiefer ins Ohrwurmzentrum. Mir persönlich geht der larmoyante Touch von Mascis manchmal auf die Nerven, aber das ist mit Sicherheit Geschmackssache. Und den Bass würde ich auch gerne mal etwas druckvoller hören, aber das nach so langer Zeit zu fordern, ist natürlich utopisch 3000.

Alles beim Alten, gut so

Tja, man könnte jetzt berichten, dass DINOSAUR JR. sich irre weiterentwickelt haben. Das wäre aber falsch und außerdem auch nicht notwendig. So darf man also zusammenfassen, dass Fans der Band glücklich werden und sich schon mal in die Musik-gewordenen Kuscheldecke wickeln können, um ihren Gedanken nachzuhängen. Es geht inhaltlich stark nach innen und um den Wunsch verstanden zu werden, von anderen oder noch besser von sich selbst.

Das ist alles so herrlich tiefgreifend und gleichzeitig unaufdringlich, dass man es irgendwie mögen muss. Auch wenn es immer und immer wieder die gleiche Leier ist. Lustig ist allerdings der Albumtitel “Sweep It Into Space”, denn DINOSAUR JR. sind das komplette Gegenteil vom Weltall und noch tiefer im Boden verwurzelt und fest verankert kann man eigentlich gar nicht sein.

Dauer: 44:54
Label: Jagjaguwar
VÖ: 23.04.2021

Tracklist “Sweep It Into Space” von DINOSAUR JR.
I Ain’t
I Met The Stones
To Be Waiting
I Ran Away
Garden
Hide Another Round
And Me
I Expect It Always
Take It Back
N Say
Walking To You
You Wonder

Artikel, die Dir gefallen könnten:
MELVINS – Working With Gods
WOLF MOUNTAINS – Urban Dangerous
VOODOO JÜRGENS – ‘S klane Glücksspiel
MOURN – Sorpresa Familia
TWO YEAR VACATION – Slacker Island
SCHARPING – Powerplay (EP)
ODD COUPLE – Universum Duo
DRENS – Pet Peeves
TEQUILA AND THE SUNRISE GANG – Home
DIE CIGARETTEN – Crashkid (EP)
GIRL TONES – Rainbows and Butterflies
PABST – Deuce Ex Machina
PABST – Chlorine
LINGUA NADA – Djinn
MAYNARD – On The Verge Of Sth.
THE PIGHOUDS – Hilleboom
Interview mit Markus und Sebastian von COLD zum Album “s/t”

DINOSAUR JR. im Netz

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.