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Die P – 3, 14 – Review

Die Bonner Rapperin DIE P legt mit ihrem Debütalbum “3,14” die erste Veröffentlichung auf dem ersten deutschen All Female Label 365XX vor. Nach einigen erfolgreichen EP kann sie nun erstmal auf Albumlänge manifestieren, was sie so drauf hat. Herrlich unverkopft konzentriert sie sich auf das, von dem sie Bescheid weiß. Sie lässt Persönliches einfließen, hat einen bemerkenswert standfesten Flow und bettet ihre eingängigen Texte auf einen herrlich entspannenden, authentischen Old-school-Beat. Irgendjemandem zu sagen, was er oder sie zu tun hat, liegt ihr meilenweit fern. Trotzdem sagt DIE P, was sie denkt, und zwar genauso wie sie es denkt, ohne um den heißen Brei herumzureden. DIE P erklärt dir nicht die Welt, hat sie gar nicht vor.

DIE P, 2021 Foto von Barkowski

Überleben, übernehmen

Wenn in “Neuer Tag” das Saxofon zur Begrüßung den Song umschmeichelt, ist man sofort drin im Song. DIE P rappt extrem akzentuiert, selbstbewusst und trotzdem überhaupt nicht aufdringlich oder gar aggressiv. Ganz nebenbei kann sie auch noch singen (“Nie mein Stil”, “Ganjaman”, “Hood 53”) und bricht den Beat mit herrlich samtigen Hooks. Dass sie musikalisch aufgeschlossen ist und neben Hip Hop auch R’n’B und Soul inhaliert, macht sich hier bemerkbar. Trotz aller Authentizität, ist sie sich ihrer Wirkung bewusst und wägt ab, was genau sie sendet. So ist der besungene “Ganjaman” zwar der Typ, der im Viertel für das Weed sorgt, aber eben auch einer, dem man nicht vertrauen kann. Freundschaft niemals mit Geschäft verwechseln. Gerade dieser Song hat einen massiven FUGEES-Vibe, ohne irgendwo so zu klingen, als ob er bewusst in diese Richtung gebogen worden wäre.

Zuckersüße Barbietour, nein danke

Es tut “3,14” gut, dass DIE P nicht produziert, um die große Knete zu machen – wobei, wer sagt da schon Nein? -, sondern weil sie auch einfach nicht anders kann und genau das schon immer tut. Klassisch angefixt von EMINEMs “8 Mile” fing sie direkt nach dem Kinofilm an, ihre ersten bars zu schreiben. Kam gut an, damals auf dem Schulhof, aber DIE P war immer etwas mehr angefixt, als die anderen und blieb dabei. Das machte sich bezahlt, als sie ihre Cousine einfach für ein Battle Rap anmeldete. Die Zeilen vom Schulhof reichten sogar aus, um mehrere Runden für sich zu entscheiden. Für “3,14” hat sich DIE P auf einen entspannten Neunzigerjahre-Sound konzentriert, auf den vorangegangen EP hat sie schon gezeigt, dass sie noch deutlich mehr Tricks im Ärmel hat. Zukünftiger Stilwechsel ganz sicher auch nicht ausgeschlossen.

Der Weg führt bergauf

Im leicht mystischen “Standard” befasst sie sich mit dem Glauben, der ihr Halt gibt und in ihrer Familie eine wichtige Rolle spielt, und den guten Ratschlägen, die sie von ihrem Vater erhalten hat. Genau wie alle anderen hat sie vieles erst im Nachhinein verstand. Wer genau hinhört, wird zwischen den Zeilen eine tolerante Person erkennen, die tatsächlich ihr eigenes Ding macht und weiß, was sie will und vor allem was nicht. “3,14” ist einfach ein gelungenes und angenehm realistisches Album, das komplett rund läuft und auf den Punkt kommt, statt pseudoschlau rumzuschwafeln.

Dauer: 32:31
Label: 356XX/pias
VÖ: 19.03.2021

Tracklist “3,14” von DIE P
Ein Schritt
Genug
Genug
Niemand kann mir sagen
Standard
Nie mein Stil
Viertel
Ganjaman
Hood 53
Das Leben ist DieP
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