Schmyt Gift EP

Schmyt – Gift – Review

Es benötigte lediglich zwei Undergroundhits, um sicher zu sein, dass SCHMYT ein Ausnahmekünstler mit ganz eigener Handschrift ist. Mit “Gift” legt er nun seine erste EP vor und für den Titeltrack hat er niemand Geringeren als RIN am Start. Der ansteckende, steppende Song “Gift” folgt dem gleichen Muster, wie die eingangs erwähnten Hits “Niemand” und “Taximann”, die natürlich auch auf der EP zu finden sind. Es ist diese ganz besondere Brüchigkeit, die SCHMYT in seiner vollen Bandbreite darbietet und mit der sich viele identifizieren können.

Schmyt // Credits: Lea Bräuer

SCHMYT musiziert so zerbrechlich und introvertiert, dass man sich selbst das Herz herausreißen möchte (sinnbildlich natürlich) und sofort melancholisch gestimmt ist. Bis dann eben (hoffentlich) rechtzeitig der Beat einsetzt, der die Anspannung ruckartig auflöst und dafür sorgt, dass die Traurigkeit ablaufen kann. Was funktioniert, weiß SCHMYT auch aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Bands wie SEEED oder SAMY DELUXE, mit seiner Band RAKEDE landete er vor einigen Jahre bereits einen kleinen Hit.

Dem Untergang entgegen

Alleine die Art und Weise, wie akzentuiert SCHMYT mit Autotune umgeht, sucht seinesgleichen. Der – in meinen Ohren – bei anderen Künstler*innen oft erschreckend falsch eingesetzte und dann maximal nervige Filter, schafft für “Geist” auf jeden Fall einen Mehrwert. Die bereits bekannten Songs sind noch grober aus dem Zusammenhang gerissen, vertonte Szenen der Nachdenklichkeit, die genau deshalb überzeugen und keinen Anspruch auf Auflösung haben. Und ein eskalierender Refrain mit dem Schlagwort “Niemand” oder “Taximann” klingt einfach besser, als einer mit dem Frauennamen “Jenny”. Etwas aus dem Rahmen fällt das abschließende “100 Euro”, die zündelnde Partytendenz und die gewählten Vokabeln sind einfach zu weit entfernt, von dem bisherigen Deeptalk. Also so durchweg wird das Niveau nicht gehalten.

Weiterhin nicht greifbar

Man merkt schon, dass die neuen Songs – abgesehen vom hammermäßigen Titelsong mit RIN, schon alleine wegen den Samples und dem extrem auf den Punkt gebrachten Schlagabtausch der Rhythmen – deutlich strukturierter klingen und dieses gewisse Etwas vermissen lassen. Schon auf EP-Länge ist SCHMYT keine leichte Kost, was mitnichten an mangelnder Varianz liegen würde, eher an der ungewöhnlichen, besonderen Klangfarbe und der unkonventionellen Zusammensetzung. Man hat weiterhin keine Vorstellung davon, was auf Albumlänge passieren könnte. SCHMYT schreibt für die Kaputten, die Traurigen und diejenigen, die eher auf den Moment und weniger auf die Zukunft vertrauen… und auf die Stagnation von Zuständen natürlich dementsprechend stärker und härter wirken. Denn irgendwann kommt er immer, der Moment, in dem man sich vor sich selbst verantworten muss.

Dauer: 17:03
Label: Division Entertainment
VÖ: 02.04.2021

Tracklist “Gift” (EP) von SCHMYT
Gift (feat. RIN)
Niemand
Taximann
Poseidon
Jenny
100 Euro

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