Missstand Bon Apathie Artwork

Missstand – Bon Apathie – Review

Schon alleine für den Albumtitel “Bon Apathie” kriegen die Österreicher Punks von MISSSTAND einen Sonderpunk(t). Seinen Privilegien als vier Dudes ist sich das Quartett auch bewusst, weshalb sie sich mit Sarah von AKNE KID JOE und René Aldrige, jeweils für ein Feature, zwei starke Sängerinnen eingeladen haben. Was MISSSTAND von den meistens Bands in ihrem Stadium abhebt, ist dieser gewisse Old-school-Vibe. Inhaltlich nah am Zeitgeist und musikalisch nicht angestaubt, aber auch nicht so tricky, dass man die Kompositionen nicht mit zwei Dosenbier intus mitsingen, nachfühlen oder nachzocken könnte.

Mit ihren Texten äußern sie sich smart und eindeutig gesellschaftskritisch. Sie sind sich aber immer darüber bewusst, dass es unterm Strich darum geht, den Pöbel zum Pogo im Pit zu bringen. Der Frust muss schließlich irgendwie raus.

Wütendes Kopfschütteln

Mit Manny und Siegy (von welchen Namen auch immer sich diese Kürzel ableiten sollen…) sind nun zwei neue Bandmitglieder an Bord, die auf den Sound von MISSSTAND Einfluss genommen haben. Man merkt, dass die Vier, wie alle anderen, ein richtiges Scheißjahr hinter sich haben, das den Frust noch etwas größer werden ließ, als eh schon. “Von Schwalben und Geiern” widmet sich der gesellschaftlichen Abstufung, der verbalen Limbo in der allgemeinen Debatte darüber, wie wir zusammen leben möchten. Zeiten, in denen sich der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz über die Initialen einer Kanzlerkandidatin lustig macht, lassen einen tatsächlich nur den Kopf schütteln.

Wer verdient hier was?

Dass MISSSTAND im richtigen Momenten die Kohle in die Hand nehmen und genau deshalb aus der Masse hervorstechen, zeigt das kreative Video zu “No Country For Old White Men feat. Sarah AKJ”). Der Song ätzt nicht nur über die alten, weißen Männer, sondern vor allem über die absurde Idee, dass diese immer noch denken, sie hätten es tatsächlich verdient hätten, alles zu dominieren. Live werden solche Songs richtig knallen und MISSSTAND geben durch ihre dichten Chorgesänge auch die künftigen Einsätze schon relativ klar vor.

Keine Parolen

“Bon Apathie” von MISSSTAND macht deshalb besonders viel Spaß, weil es ohne große Parolen auskommt und einfach nach vorne drischt. Dass die Platte hängt, nur weil wir uns im Punk um die immer gleichen Themen drehen, kann man der Band nun wirklich nicht vorwerfen. In “Kommando 13. Dezember” befassen sich MISSSTAND genau damit. Ey, nur weil es überall braun schimmert und nach Scheiße stinkt, ist das kein Grund nicht weiter massiv gegen Rassismus anzugehen. Nachdem sich nun ausschließlich Lob, wie eine warme Bierdusche, über dem Album ergossen hat, muss man abschließend feststellen, dass das Album einen Ticken zu lange geworden ist. Dazu fehlt es – trotz einiger Spitzen, die besonders vonseiten der Saitenfraktion kommen – an Abwechslung und es wird zu häufig auf einer begrenzten Anzahl von Tönen gesungen, geschrien und gewütet. “Heute Alles” wird komplett von den Instrumenten getragen, was sich natürlich aufhebt, wenn man den Song selbst bisschen schief mitträllert.

Deutschsprachige Punkbands, die englisch singen, ist auch immer ein Reizthema. Kann man machen, sorgt aber selten für Begeisterungsstürme, internationalen Beifall und von daher kann man es eigentlich auch lassen. Vorausgesetzt das Herz hängt nicht dran. Das ist grundsätzlich alles kein Problem, aber auf Dauer nutzt sich das überschaubare Spektrum eben einfach ab. Ohne jetzt zu wissen, wo genau man hätte kürzen können, aber so 10 Minuten weniger hätte “Bon Apathie” etwas knackiger gemacht. Sei’s drum, trotzdem gutes Album.

Dauer: 38:37
Label: Aggressive Punk Produktionen (Edel)
VÖ: 09.07.2021

Tracklist “Bon Apathie” von MISSSTAND
Bonjour Tristesse
Haider Youth
Von Schwalben und Geiern
No Country For Old White Men feat. Sarah AKJ (Akne Kid Joe)
Kommando 13. Dezember
Heute Alles
Nervous Again
P-34A
Wasser, Wein und ich
Morgen Nichts
Rückenwind
Seifenopfer
Ohnmacht//Hamsterrad feat. Ren Aldridge (Petrol Girls)

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