Scherben – Domestiziert – Review

Juhu, die SCHERBEN sind back, hebt mal ein paar auf und schneidet euch an dem neuen Album “Domestiziert” richtig heftig, bis es blutet. Oder bis die Wut bisschen verraucht ist. Die Band zieht auf jeden Fall erbarmungslos durch, 23 Minuten ungerade und 11 Kopfnüsse warten auf euch. SCHERBEN scheren sich so gar nicht darum, ob ihr euch nach der Platte gut fühlt und auch nicht darum, ob ein schöner Refrain im geneigten Wohlstandsbürger-Ohr hängenbleibt, der sich gedankenverloren nachsummen lässt. Nein, es wird nach vorne gebolzt, inhaltlich und musikalisch. Die melodischen Einschübe machen den Driss nur etwas besser verdaubar, damit man durchhält, bis die nächste imaginäre Faust in den Magen boxt.

SCHERBEN regeln mit ihrer eigenen Methode

Schon ein Blick auf die Tracklist von “Domestiziert” von SCHERBEN reicht, um angemessen angepisst zu sein. “Gottseidank Krieg” watscht einiges auf vielen Ebenen ab. Glaube als Grundlage für Krieg, Krieg als Brandstifter für rechte Parteien, Krieg zur Rechtfertigung für Lethargie und vor allem Krieg als Einnahmequelle für diejenigen, die auf der vermeintlichen Gewinnerseite stehen. SCHERBEN verlassen sich nicht nur auf Punk als Ausdrucksform, häufig wird mit Metal verstärkt, und zwar dann, wenn es auch im Midtempo nachdrücklicher sein muss (“Exitus”).

“Der Erinnerungskultur-Weltmeister hat sich von jeder Mitschuld befreit”, so skandieren SCHERBEN in “Ich möchte HG Maaßen die Brille von der Nase schlagen”. Der Song wirkt bitter, schon fast zu milde und melodisch für die heftige Thematik und die zynische Betrachtung, dem ständigen Euphemismus und dem Märchen von Einzeltätern.

Bock auf einen “Solicocktail”

SCHERBEN kotzen richtig ab und selbst wenn sich erstmal nichts geändert hat, dann fühlt man sich nach “Domestiziert” doch erstmal besser. Das hitzige “Nachtfeind” vereint alles, was uns im Punk noch etwas fühlen lässt. Ein kollektiv geschriener Song, mit drohendem Sprechgesang und auf Anschlag gebrachten Gitarren. SCHERBEN schlagen Haken und skizzieren in nur zwei Minuten eine Art musikalische Jagd, mit gemeinem Herzrasen, alles schön saufen und dann um sein Leben rennen. Im abschließenden “Atom//Atom//Atom” lassen SCHERBEN eine kleine, fast vergessene Feindschaft aufleben und inszenieren den Traum von love, peace and harmony als verlorenen Kampf gegen Kapitalismus, Ausweglosigkeit und das ganze verkauft als Fortschritt und rosige Zukunft.

Das Georgel am Ende geht auf jeden Fall auf AKNE KID JOE zurück, die zurückgeworfen auf ihre eigenen, damaligen Fähigkeiten dieses Monstrum wieder im Punk salonfähig gemacht haben. “Domestiziert” von SCHERBEN ist ein musikalisches Statement, auf das “ganze beschissene Dasein”.

Dauer: 25:23
Label: Kidnap Music
VÖ: 25.11.2022

Tracklist “Domestiziert” von SCHERBEN
Ein Glas Pisse
Gottseidank Krieg
Exitus
Kündigung
Sachbeschädigung
Solicocktail
Hund
Ich möchte HG Maaßen die Brille von der Nase schlagen
Innenstadtfront²
Nachtfeind
Atom//Atom//Atom

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