Lest die Review zu "Punk Standards" von SLOW JAMS bei krachfink.de

Interview mit Slow Jams zum Album “Punk Standards”

Die Band SLOW JAMS aus Berlin kam aus allen Teilen der Welt zusammen und spielt jetzt gemeinsam intensiven Hardcore-Punk mit starker Grunge-Schlagseite. Allerdings sprengen die fünf Musiker damit trotzdem alle vermeintlich existenten “Punk Standards”. Wir durften ein paar Fragen stellen und klären, wo SLOW JAMS gedanklich und musikalisch herkommen und wo sie hinmöchten.

Hi SLOW JAMS, da das euer erstes Interview für krachfink.de ist: Wer ist dabei und wer macht was in der Band, woher kennt ihr euch?

Jan: Bruno ist zuständig für den Gesang, Gabriel und Massimo spielen bei SLOW JAMS Gitarre, Stefan spielt den Bass und ich, Jan, bin für das Schlagzeug verantwortlich.

Massimo: Die Band ist 2018 gestartet, nachdem Jan auf eine Anzeige reagiert hat, die ich auf irgendeiner Website gepostet habe. Zu der Zeit wollte ich ein Projekt fortsetzen, dass ich in Italien hatte, stark beeinflusst von Early-2000s-Hardcore und Bands wie American NIGHTMARE oder PANIC, also eher “klassischer” Hardcore-Punk.

Jan: In der Anzeige stand einfach “Hardcoreband, fast and loud.” Das hätte alles sein können, ich habe mit nichts gerechnet, bis Massimo mir drei Demos geschickt hat, die ich super fand und die dann auch alle auf der ersten Platte gelandet sind.

Massimo: Dann kamen Stefan und Gabriel dazu und letztendlich Tyron, der unser erster Sänger wurde. Bisher hatten wir drei Line-up-Wechsel, alles Sänger, auf jeder Platte singt jemand anderes. Wir sind aber optimistisch, dass Bruno für immer bei uns bleibt.

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Eure Musik ist alles, nur nicht langsam und träge. Ich musste sofort an die israelische Band KIDS INSANE und SWAIN aus Berlin denken. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Massimo: Wir haben eine Show, die zweite glaube ich, mit SPIT gespielt, bei denen Mitglieder von KIDS INSANE dabei sind. Supercoole Leute und die spielen großartige Musik.

Was unsere Musik angeht würde ich sagen, dass wir catchy Hardcorepunk spielen, mit Platz für ausufernde Gitarrensolos und sogar ein paar entspannte Akustiksounds.

Was geht euch in eurem Umfeld zu langsam und könnte gerne mal bisschen Fahrt aufnehmen?

Jan: Vinylpressungen!

Der Albumtitel “Punk Standards” ist mit Sicherheit ironisch gemeint oder glaubt ihr tatsächlich an einen Standard?

Massimo: Ja, irgendwie ist es ironisch. Der Albumtitel stellt Punk als “Regelbrecher” infrage. Kann Punkmusik einfach als reguläres Genre wie jedes andere standardisiert werden?

An eurem Album gefällt mir sehr gut, dass ihr, genretypisch, die Songs dann beendet, wenn sie eigentlich am schönsten sind und nie unnötig ausschweifend werdet. Fällt es euch leicht, Songs als fertig zu begreifen und nicht immer weiter daran zu verschlimmbessern?

Jan: Danke! Ich kann mich an keinen Song erinnern, den wir behalten haben, nachdem wir zu lange daran herumgeschraubt haben. Eigentlich ist relativ schnell klar, ob der Song ein Hit ist oder rausfliegt.

Massimo: Ja, wir jammen auch nicht wirklich viel, außer im Namen (lacht). Die meisten Songs sind zu 90% fertig, bevor wir sie als ganze Band proben. Manchmal bleibe ich mit Songs stecken und weiß nicht wie ich weitermachen soll, normalerweise ein Zeichen, dass etwas nicht passt. Ich denke jeder, der Songs schreibt, lernt an einem bestimmten Punkt, dass es nicht möglich ist immer inspiriert zu bleiben und es manchmal besser ist, Dinge, in dem Fall Riffs, beiseite zu legen, bis sie bereit sind, ein Song zu werden.

Wo habt ihr das Album aufgenommen und wer hat es produziert?

Massimo: Wir haben alles im Tricone Studio im Funkhaus in Berlin mit Juanfe Rehm aufgenommen und es dann nach Italien ins Studio 73 geschickt, um es von Riccardo Pasini mixen zu lassen, der hat auch unsere letzte EP “Heavy Blues” gemixt und gemastert. Dieses Mal haben wir es dann noch zu Alan Douche von West West Side Music in den USA geschickt, der es gemastert hat (neben CONVERGE, SUFJAN STEVENS, MASTODON…) Alle haben einen fantastischen Job gemacht!

Ihr stammt aus Italien, Frankreich, Rumänien und Berlin, wo seht ihr kulturelle Unterschiede im Hinblick auf die Förderung von Musik, eventuell auch die kreative Herangehensweise?

Massimo: Wir haben auf jeden Fall andere kulturelle Hintergründe und teilweise kommt das auch stark zum Vorschein, auch im kreativen Kontext und in Debatten. Allerdings schaffen wir es in der Regel die goldene Mitte zu finden, die alle glücklich macht.

Jan: Ich würde auch sagen, dass wir generell aus leicht anderen Szenen und musikalischen Hintergründen kommen und dadurch eine relativ hohe Qualitätskontrolle bei unserer Musik haben.

Im Song “In Riddles” setzt ihr euch mit einem komplexen, psychischen Vorgang auseinander.Es geht um einen Kriminellen, der seine Tat extrahiert und als eine exklusive Verbindung zwischen sich und dem Opfer ansieht. Natürlich muss man da, auch im Kontext von Grunge, sofort an “Polly” von NIRVANA denken. Wie seid ihr auf dieses ungewöhnliche Thema gekommen?

Bruno: Die Idee kam von einem Buch, das ich gelesen habe, in dem der Hauptcharakter, eben jener Krimineller, erklärt, dass seine Verbrechen nur zwischen ihm selbst und den Opfern existieren. Am Ende werden sie nur real, wenn er sich einer dritten Person offenbart. Er begeht zwar die Verbrechen, aber sie existieren nicht wirklich, erst dann wenn er darüber spricht. Der Song handelt davon, offenzulegen wer man ist, in einer Welt, in der viele nicht einmal die simpelsten Gefühle offenlegen, was die Welt aber viel erträglicher machen würde. Ich persönlich halte auch viele Gefühle für mich aus Sorge, jemand könnte eine falsche Meinung von mir haben.

Ich liebe es, wenn Bands den Grunge wieder aufnehmen und finde, dass er nichts an Charme verloren hat. Wie war euer Zugang zu Musik, welches Album hat bei euch die erste Faszination ausgelöst?

Jan: Für mich war auf jeden Fall “…And Out Come The Wolves” von RANCID das erste Album, das mich richtig umgehauen hat und das ich dann erstmal zwei Jahre am Stück gehört habe. Wir haben neulich noch in der Band darüber gesprochen, was für ein absolut perfektes Album das ist.

Massimo: Ich müsste hier eine Menge Alben nennen, aber mein Teenage-Ich würde auf jeden Fall “In Utero” und “Nevermind” von NIRVANA in die Top5 packen. Aber ehrlich gesagt auch Chaos A.D. von SEPULTURA und frühere GREEN DAY– Sachen, wie “Dookie” und “Insomniac”.

Das Album klingt extrem gut, wie wichtig sind euch Technik und Equipment?

Massimo: Es ist sehr wichtig. Punk ist ja generell simpel in den Chords und Strukturen und so weiter, das muss mit einem interessanten Sound kompensiert werden. Du musst Zeit nutzen, deinen eigenen Sound zu finden und etwas Eigenständiges zu kreieren, solange du nicht wie eine Punkband aus den Achtzigern klingen willst, was auch nichts schlechtes ist, aber mir einfach keinen Spaß macht.

Jan: Das Interesse für Technik und Equipment ist unterschiedlich groß, ich bin beispielsweise nicht so ein Hardware-Nerd. Wir haben aber alle schon unabhängig voneinander einige Jahre Banderfahrung hinter uns und wollen gut klingende Musik veröffentlichen.

Einfache Frage, warum habt ihr keine Frauen in der Band?

Jan: Gute Frage. Traditionell war Punk und Hardcore ja schon männlich dominiert und nach wie vor spielen mehr Männer in Punkbands, sodass wir auf der Suche nach neuen Mitgliedern auch immer deutlich mehr Männer bei den Proben hatten. Insgesamt ändert sich das aber nach und nach, was wir natürlich cool finden.

SLOW JAMS, Punk Standards, Artwork

Euer Artwork ist einfach, aber sehr hübsch, auch in Kombination mit den Vinylfarben. Kann mir gut vorstellen, dass viele deshalb im Laden aufmerksam werden. Was sind eure Anreize, damit ihr euch als Käufer für ein Album interessiert?

Jan: Danke nochmal (lacht), wenn ich ein Album nicht kenne, weckt das Cover natürlich das erste Interesse. Für reine Coverkäufe ist Vinyl aber mittlerweile ein bisschen zu teuer geworden.

Massimo: Danke! Wir waren auch direkt sehr glücklich, als wir das Artwork gesehen haben. Mirko Gastow hat es entworfen, ein italienischer Artist, der aber auch in Berlin lebt und auch unsere neuen T-Shirts designed hat. Ich lasse mich auch von schönen Cover anlocken und teilweise entdecke ich darüber neue Bands, das findet allerdings heute hauptsächlich auf Streamingplattformen statt, ich bin kein Plattensammler mehr.

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