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ZSK – Ende der Welt – Review

Mit “Ende der Welt” veröffentlichen die Punker von ZSK aus Berlin schon ihr sechstes Album. Der Albumtitel passt auf jeden Fall gut zum aktuellen Feeling der Republik. Die Band wird mit ihren teils gesellschaftskritischen Texten als politisch wahrgenommen, konnte in den letzten Jahren schon einige Chartplatzierungen für sich verbuchen und die Hallen werden auch immer größer. Na ja, aktuell sind die Hallen wie bei allen anderen leer. Einer, der ziemlich viel über den Grund für diese Tatsache weiß, ist Christian Drosten. Der diente ZSK im letzten Jahr – ohne aktives Zutun – als Zündschnur für die bis dahin wohl größten Schlagzeilen ihrer Bandkarriere.

ZSK 2020, Foto von Matthias Zickrow

Stabile Instrumentierung und leicht zugänglich

Was echt auf der Haben-Seite von ZSK steht, ist die stabile Instrumentierung und die leichte Verdaulichkeit. Obwohl die Band relevante Themen nicht ausspart, ist das mit den Wohoow-Chören und den nach vorne stampfenden Riffs bestens dazu geeignet, um Jugendliche für den Punk zu interessieren. Und ZSK scheint gefühlt alle typischen Themen anzusprechen. Den erbärmlichen Umgang mit den Geflüchteten dieser Welt, Nazis im Parlament, Ignoranz der Jugend, BILD-Zeitung, Stillstand? Check! Mit “Stuttgart” hat sich ein emotionaler Exot eingeschlichen. Ein trauriger Gruß in den Himmel, den man von ZSK so nicht erwartet.

Alle Themen abgehakt

Abschreckende Lyrics oder bärbeißigen Gesang gibt es bei ZSK eher weniger und so richtig ausgerastet und Pit-Power wird auch nicht gegeben. Mit “Die Kids sind okay” stellen sich ZSK auf die Seite der Jugend, feiert die Rebellion und den politischen Aktivismus der Generation. Dabei sprechen sie einen ganz wichtigen Punkt an: “Scheiß auf was da in der Zeitung steht…” Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wie manche Käseblätter versuchen schlecht zu schreiben, dass diese Menschen Verantwortung für ihre eigene Zukunft übernehmen. Der darauf folgende Kinderchor zum Einstieg von “Mach’s gut” ist dann etwas zu viel des Guten, dafür geht der Ska-Beat ganz gut in die Beine, verliert sich dann aber irgendwo zwischen RANDALE und Sesamstraße.

Nicht gerade subtil, aber effektiv

Subtilität zählt aber sicherlich nicht zu den Stärken von ZSK und manches wirkt einfach schlichtweg auch nicht zu Ende gedacht. Der Text von “Alle meine Freunde” – ein echt gut nach vorne gehender Skate-Punksong mit lässig ausscherendem Bass – ist ein gutes Beispiel dafür. Selbst wenn wir uns alle wünschen, dass ganz Deutschland die AfD hasst, dann zeigen die Wahlergebnisse leider ein anderes Bild und nichts könnte einem Punk ferner liegen, als den Hut mit der Aufschrift “ganz Deutschland” übergestülpt zu bekommen.

Die gleiche Zweischneidigkeit findet sich auch im eingangs erwähnten Song “Ich habe Besseres zu tun”. Der greift die Äußerung von Christian Drosten auf, die er nach einer massiven Druckausübung des BILD-Redakteurs Filipp Piatov in Form einer unrealistischen Frist, tätigte. Dass das ein ziemlicher Boss-Move vom Virologen war, da sind wir uns einig. Ob es nicht cooler gewesen wäre, dieses Statement einfach so stehenzulassen, statt eine Welle daraus zu machen und darauf zu surfen, sei mal dahingestellt. Drosten selbst fand es wohl cool, das ist die Hauptsache. Und wenn das mit Coroni vorbei ist, will er sogar mal mit der Band auf der Bühne zocken. Falls das nicht hinhaut, würde ich eine Karriere als Double von René Marik vorschlagen.

Man merkt ZSK und dem Album “Ende der Welt” an, dass es der Band wichtig ist, Spitzen zu setzen. Alteingesessene Punker bringt das weder inhaltlich noch musikalisch weiter, aber so lange es einige Rookies für die richtige Sache zum Brennen bringt, ist dagegen absolut nichts einzuwenden.

Dauer: 33:53
Label: Century Media (Sony Music)
VÖ: 15.01.2021

Tracklist “Ende der Welt” von ZSK
Ich feier euch
Die Kids sind okay
Mach’s gut
Ende der Welt
Kein Talent
Sag mir wie lange
Stuttgart
Alle meine Freunde
Rumstehen
No Justice
Mein Zuhause ist bei Dir
Ich habe Besseres zu tun

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