Lest den Konzertbericht zu CASPER in Mannheim in der Alten Feuerwache 2022

Casper und Edwin Rosen live in der Alten Feuerwache Mannheim, 09.05.2022 – Konzertbericht

Die Stadt brennt

Das kommt CASPER, der auf der BĂĽhne sowieso immer zum absoluten Derwisch wird, gerade recht. Er selbst äuĂźerte vor einigen Tagen noch, etwas Bammel vor der Tour gehabt zu haben. Das merkt man ihm nicht an, mit einem wahren Kickstart poltert er auf die BĂĽhne. Den ersten Song “Alles war schön und nichts tat weh” singt er vor einem mit Blumen behangenen Mikrofonständer. Er ist vom ersten Ton an nicht alleine, das Publikum stimmt sofort ohne Aufforderung ein und trägt von da an jeden Song mit, zelebriert jede Note. Die Setlist ist so arrangiert, wie man es von einem wie CASPER erwartet, eine perfekte Komposition mit Kurven.

CASPER scheint positiv erschlagen von den krassen Reaktionen in Mannheim. Also eingerostet ist hier niemand, die Party geht von 0 auf 100 in wenigen Sekunden. “Wer hätte das gedacht, dass wir ĂĽberhaupt nochmal so zusammen feiern können?”, fragt er mit zufriedenem Blick ins Publikum und holt umgehend zum nächsten Schlag beziehungsweise Song aus. Er hat eine Menge Musikerinnen und Musiker dabei, was dafĂĽr sorgt, dass seine Lieder sich ganz anders entfalten können und nochmal viel besser klingen, als eh schon auf der Platte.

Es ist rĂĽhrend zu sehen, wie viel den Menschen in den vorderen Reihen ganz offensichtlich an diesen Liedern liegt. Die Texte von “Alles war schön und nichts tat weh” oder “Ascheregen” scheinen einige ĂĽber schlechte Tage gerettet zu haben. Viele schlieĂźen die Augen, genieĂźen das Konzert und wirken ganz selig. Es wird deutlich, welch heilende Wirkung Musik haben kann. CASPER nutzt die BĂĽhne, die fĂĽr seine Verhältnisse relativ klein ist, komplett aus, rennt von einer Seite zu anderen und sucht Blickkontakt mit den Fans. Als er erzählt, dass ein GroĂźteil der Lieder sogar in Mannheim geschrieben wurde, kurbelt das die Stimmung natĂĽrlich noch mehr an. Das Album “Hinterland” wurde damals tatsächlich im Mannheimer Stadtteil Jungbusch produziert. CASPER ist sozusagen “äna vunn uns”!

Drei kurz, drei lang, drei kurz

Gerade beim aktuellen Album “Alles war schön und nichts tat weh” von CASPER gab es sehr viel Gastbeiträge (LENA, BEATSTEAKS, TUA, KRAFTKLUB…). Die Sorge, dass sich das ohne die Partner und Partnerinnen live nicht angemessen darbieten lässt, sind unbegrĂĽndet. HAIYTI wird vom Publikum ehrenvoll vertreten, bei “Wolken” brĂĽllt es so laut, dass man ihren Beitrag vom Band fast gar nicht mehr hört.

Als CASPER mit “Adrenalin” und “Sirenen” die Doppelbombe zĂĽndet, wird klar, dass wirklich alles ist wie frĂĽher. Alle scheinen bis obenhin vollgepumpt mit Energie zu sein, springen und tanzen, als ob es um ihr Leben ginge. Und die Security hat fĂĽr diese Menge eigentlich wenig zu tun. Klar kommen mal ein paar Stagediver nach vorne, aber seltsamerweise harren die meisten stabil inmitten des Konzertes aus. Einige tragen eine Maske, die meisten aber nicht.

Nach ĂĽber eineinhalb Stunden knibbelt CASPER den Sack zu, das Publikum macht sich entspannt und glĂĽcklich auf den Heimweg. Es sind nicht die Lichteffekte oder aufwendige Tanzeinlagen, die diesen Abend besonders gemacht haben.

Nein, man hat deutlich gespürt, dass da was geht, zwischen CASPER und seinen Leuten. Es funkt. Eine sehr stabile und offensichtlich sehr treue Verbindung, gestrickt aus Songs und Emotionen. Und das klappt einfach nicht auf Distanz und nicht über den Bildschirm. Schön, dass es wieder losgeht.


Alle Fotos in diesem Beitrag, © Nadine Schmidt, krachfink.de. Noch mehr Fotos findet ihr bei krachfink.de auf Instagram

Tracklist CASPER, Mannheim 09.05.2022
Alles war schön und nichts tat weh
Im Ascheregen
Auf und davon
Alles endet aber nie die Musik
Wolken
Billie Jo
Adrenalin
Sirenen
TNT
Das bisschen Regen
Euphoria (Intro)
Alles ist erleuchtet
Ganz schön ok
So perfekt
Suoernove
Die letzte Gang der Stadt
Zwiebel und Mett
Hinterland
Wo warst du
Keine Angst
Fabian
Lass es Rosen fĂĽr mich regnen
Gib mir Gefahr
Jambalaya

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