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Schmyt – Universum regelt – Review

SCHMYT ist kein konventioneller Rapper, aber auch kein typischer Popstar, das wird mit seinem ersten Album “Universum regelt” unmissverständlich klar. Der Musiker und Produzent stöbert feinfühlig genau da, wo die bitteren Emotionen lagern. Er offenbart seine eigenen, vermeintlichen Schwächen und bedient sich einer nachvollziehbaren Sprache, die zeitgleich Melancholie und Selbstliebe auslöst.

Aufgewachsen ist er mit Shakespeare und Bach-Chorälen, gepaart mit seinem Pop- und Jazz-Musikstudium kann SCHMYT sich also auf eine stabile, intellektuelle und auch handwerkliche Basis verlassen. Genau diese Freiheit nutzt er vollends aus und produziert Musik, die tatsächlich in vielen Momenten einzigartige Wege geht (“Tangabounce feat. MAJAN”).

“Ich lasse los und es endet”

Das Schönste an “Universum regelt” von SCHMYT ist die Tatsache, dass man sich nach wenigen Minuten schon nicht mehr fragt, welches Genres das eigentlich sein sollen. Es gibt keinen Dresscode zu dieser Musik, die beschriebenen Umstände und Emotionen scheren sich auch nicht um Gesellschaftsschichten. SCHMYT macht seine Lieder, für die Kaputten, Verwirrten, Unsicheren und alle, die hochstapeln. Alle anderen Umstände sind egal.

Es gelingt SCHMYT treffsicher, bestimmte Momente oder vage Gefühlszustände einzufangen und sie mit ihrer unreflektierten Unvollkommenheit in einen sinnvollen Song zu transferieren. Und wenn das bedeutet, dass wie in “Proteinpunkte 2D Metaverse” eben kein üblicher Song mit 08/15-Gerüst daraus wird, dann akzeptiert er auch das. Fast beiläufig skizziert damit ein immer schärfer werdendes Bild von sich. Wenn er beispielsweise davon singt, dass sein Herz immer links schlägt oder sich die Frage stellt, ob die Monster unter seinem Bett wohl in seinem Team spielen. Oder wenn er die naive, aber nachvollziehbare, Frage stellt, ob er dann mit darf, wenn sie ihn verlässt.

Es gibt so viele Momente (“Liebe verloren”), in denen SCHMYT den Eindruck hinterlässt, dass er die Lieder tatsächlich auf einen Ruck eingespielt hat. Vielleicht nach einer durchzechten Nacht, körperlich und seelisch brutal zerpflückt und mit Zugriff auf diese ganz besonderen Stellen in Herz und Hirn?

“Scheiß auf Liebe, gib mir Ewigkeit”

Mit MAJAN, CRO und OG KEEMO hat SCHMYT auf “Universum regelt” unterschiedliche Featuregäste eingeladen. Man muss aber schon sagen, dass die Songs trotzdem immer seine deutlich erkennbare Handschrift tragen und er alles dominiert. Das war auch schon bei “Gift feat. RIN” von seiner letzten EP “Gift” der Fall und ist auch nicht weiter tragisch. Der Einsatz von Autotune könnte für manche zum Stolperstein werden, beim ersten Durchlauf irritiert das auch tatsächlich etwas.

Aber die Art, wie er die Liebe hochleben und über allem schweben lässt und sie dann mit aller Gewalt schonungslos auf dem Boden der Realität aufprallen lässt, zieht die Aufmerksamkeit auf die Worte selbst und weg von der Verzerrung seiner Stimme. Dabei legt er durchaus Wert auf Details, deshalb ist man auch nur “ein bisschen weniger im Arsch” und was die Leute reden, ist nur “ein bisschen mehr egal”. SCHMYT verspricht keine Wunder, fängt aber die Magie, die bei zwischenmenschlicher Nähe entstehen kann, gut ein.

Dauer: 37:59
Label: Divison
VÖ: 20.05.2022

Tracklist “Universum regelt” von SCHMYT
Ich wünschte, du wärst verloren
Meduas
Alles anders (Weniger im Arsch) feat. CRO
Keiner von den Quarterbacks
Liebe verloren
Tangabounce feat. MAJAN
Abendkleider und Nadelstreifen
Buddy Holly
Scherben und Schnittwunden
Universum regelt feat. MAJAN
Höhenangst
Proteinpunkte 2D Metaverse
Bumms
Mach kaputt feat. OG KEEMO

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